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Anders leben. Anders wirtschaften. Neu denken.

erschienen in Lotta, Ausgabe 5,

Stadtteilgärten, Tauschcommunities, Haus- und Wirtschaftsprojekte. Lotta erzählt von Initiativen für ein anderes gemeinschaftliches Leben.

Frankfurt am Main im Juni 2013, mitten im Bankenviertel, tausende Menschen drücken laut und kreativ ihren Unmut über die Macht der Banken aus. Bei der diesjährigen Blockupy- Demonstration sind auch Initiativen von Frauen für Frauen, soziale Vereine und Träger für Frauen, Feministinnen aller Couleur mit einem eigenen Block vertreten. Mit zahlreichen Aktionen machten sie die »permanente Krise der Reproduktion« zum Thema und riefen mit einem leuchtend lila Transparent zur »Care Revolution« auf. Sie wehren sich gegen ein Wirtschaftssystem, das unter anderem von der Ausbeutung von Frauen profitiert.

Mit dabei ist Melanie Stitz, Redakteurin der Zeitschrift Wir Frauen. »Wir fordern«, sagt sie, »das Recht auf das ganze Leben: Zeit zum Produzieren notwendiger Güter, Zeit, um für uns und andere zu sorgen, für Muße, Lernen und persönliche Entwicklung und um gemeinsam Politik zu machen. Gegen die Vereinzelung setzen wir auf kollektive Lösungen.«

Bundesweit entstehen immer mehr Projekte, die auf eine Miteinander setzen und sich bewusst gegen die kapitalistische Verwertungslogik wenden. Klassiker sind Hausprojekte und Genossenschaften. In größeren Städten finden Bewohner eines Kiezes zusammen und planen Stadtteilgärten. Nicht für jeden Blumentopf oder jeden gepflanzten Strauch am Straßenrand holen sie sich die Behördengenehmigung. Sie machen es einfach, praktizieren das sogenannte Guerilla Gardening. Sie nehmen ihr Lebensumfeld in die eigenen Hände, fühlen sich für mehr als nur für die eigenen vier Wände verantwortlich.

Im Internet tauchen immer mehr Tauschcommunities auf. Zum Essen tauschen beispielsweise oder Lebensmittel bei Biosupermärkten kostenlos nach Ladenschluss abholen. Denn das, was übrigbleibt und wertvoll ist, käme ansonsten in den Müll. Kinderspielzeug, Klamotten, Technik – alles Mögliche wird verschenkt und getauscht. Es existieren unzählige Plattformen, auf denen ohne Geld eine eigentlich alte Art des Lebens neu ausprobiert wird: Wegwerfen wird zum Anti-Trend. Die New York Times zählt dieses neue Teilen zu den zehn Dingen, die die Welt nachhaltig verändern werden.

Diese Vielfalt der Ideen macht Mut. Mut, sich die einfachen, aber wichtigen Menschheitsfragen neu zu stellen: Wie lieben? Was machen wir mit und aus unserer Zeit? Was braucht eine Gesellschaft, wenn sie Menschen zusammenhalten will?

Feministinnen debattieren längst offensiv darüber, auch öffentlich: in Zeitschriften, Blogs, innerhalb von Initiativen und Vereinen und auf großen Veranstaltungen wie Blockupy. Und DIE LINKE steht dabei an der Seite der Feministinnen, mischt sich ein in den gesellschaftlichen Diskurs zur Frage, warum wie anders arbeiten und leben müssen.

 

Sophie Freikamp

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