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Altersarmut steigt

erschienen in Clara, Ausgabe 43,

Die Zahl der armutsgefährdeten älteren Menschen in Deutschland steigt. Waren im Jahr 2010 hierzulande 4,9 Millionen Menschen im Alter von 55 Jahren oder darüber von Armut oder Ausgrenzung bedroht, so waren es fünf Jahre später bereits 5,7 Millionen. Jede fünfte Person in dieser Altersgruppe (20,8 Prozent) war im Jahr 2015 betroffen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Europäischen Statistikamts Eurostat hervor. In der Statistik gelten als von Armut bedroht Frauen und Männer mit einem monatlichen Einkommen von 1.033 Euro netto oder weniger. Als von Ausgrenzung bedroht gelten zudem alle Personen, die häufig nicht pünktlich Rechnungen für Miete, Wasser, Strom oder Heizung zahlen können.

Der Sozialverband SoVD wies darauf hin, dass Langzeiterwerbslose und Menschen mit Behinderung ein besonders hohes Risiko trügen, im Alter unter Armut oder Ausgrenzung leiden zu müssen. Auch für Solo-Selbstständige sei die Gefahr groß. Der Sozialverband VdK forderte angesichts dieser Entwicklung eine Rentenreform, damit die gesetzliche Rente wieder Altersarmut verhindert. Die Fraktion DIE LINKE fordert seit Langem, die Rentenversicherung zu einer Solidarischen Erwerbstätigenversicherung auszubauen, in die auch Politikerinnen, Beamte und Rechtsanwälte einzahlen. Das Rentenniveau soll wieder auf 53 Prozent erhöht werden, und Arbeitgeber und Beschäftigte sollen jeweils die Hälfte der Beiträge zur Erwerbstätigenversicherung zahlen. Zudem setzt DIE LINKE sich für eine Solidarische Mindestrente für all diejenigen Menschen ein, die wegen Erwerbslosigkeit oder Krankheit keine auskömmliche Rente erhalten. Damit niemand im Alter von weniger als 1.050 Euro netto leben muss.

Solidarische Erwerbstätigenversicherung

Die Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, hingegen warnte davor, „Horrorszenarien“ bei der Altersarmut zu zeichnen. Auch wenn das Rentenniveau sinke, müsse man keine „massenhafte Altersarmut in Zukunft befürchten“. Teile der CDU und diverse Wirtschaftslobbys gehen noch weiter: Sie wollen das Renteneintrittsalter nochmals erhöhen. Neben Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wirbt die Junge Union seit Langem für die Rente mit 70 Jahren. Zur Erinnerung: Im Jahr 2007 hatten CDU/CSU und SPD das Renteneintrittsalter bereits erhöht. Die Rente mit 67 sorgt dafür, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hohe Abschläge auf ihre Rente in Kauf nehmen müssen, wenn sie vorher in den Ruhestand gehen.