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Abstellgleis Privatisierung

erschienen in Klar, Ausgabe 13,

Verkauf der Eisenbahn in Mali verschlechtert das Leben der Bevölkerung

In Deutschland ist der drohende Verkauf der Bahn ein heiß diskutiertes Thema. Im westafrikanischen Mali ist er bereits Realität. Dort wurde im Oktober 2003 das gesamte, bisher staatliche Streckennetz an den französisch-kanadischen Investor Transrail verkauft.

»Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden«, sagte der Eisenbahningenieur Tiecoura Traoré auf einer Konferenz Ende Januar in Berlin. Er ist Vorsitzender von Cocidirail, einer Organisation, die eine Rückführung der Bahn in die öffentliche Hand fordert. Innerhalb kurzer Zeit wurden 26 von insgesamt 36 Bahnhöfen geschlossen. »Die Menschen sind aber dringend auf erschwinglichen öffentlichen Transport angewiesen, weil sich die Straßen in einem desaströsen Zustand befinden«, sagte Traoré.

Der Verkauf der über 100 Jahre alten Bahn wurde auch von der Weltbank vorangetrieben. Traoré misstraut von außen diktierten Entwicklungsmodellen. »Die Leute vor Ort wissen am besten, was gut für sie ist«, sagt er und fordert die Demokratisierung der Wirtschaft.

In Berlin nahm Tiecoura Traoré an einer entwicklungspolitischen Konferenz teil, zu der die Organisation AfricAvenir und Hüseyin Aydin (DIE LINKE) eingeladen hatten. Für den Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verdeutlicht die Bahnprivatisierung in Mali, dass »sich die Probleme auf unserem Nachbarkontinent und in Deutschland gar nicht so sehr unterscheiden, wie wir manchmal glauben«. Notwendig sei eine internationale Bewegung gegen den Ausverkauf des öffentlichen Eigentums zu Lasten der sozial Schwächsten, sagte Aydin.

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