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Nach 45 Jahren Anwerbung endlich Bürgerrechte gewähren

Pressemitteilung von Hakki Keskin,

Zum 45. Jahrestag der Unterzeichnung des Anwerbe-Abkommens zwischen der Republik Türkei und der Bundesrepublik Deutschland erklärt Hakki Keskin, Bundestagsabgeordneter der Fraktion DIE LINKE. und langjähriger Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland:

Durch das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland, das heute vor 45 Jahren unterzeichnet wurde, kamen Millionen von türkischen Arbeiterinnen und Arbeitern in die Bundesrepublik. Für sich und ihre Familien suchten sie nach einem materiell besseren Leben in der Fremde und gingen bei dieser persönlichen Herausforderung große Risiken ein. Für die aufstrebende Bundesrepublik war die Zuwanderung von Arbeitskräften für das Wirtschaftswunder von großer Bedeutung.

45 Jahre danach können Türken und Deutsche auf eine bewegte Geschichte dieser Migration zurückblicken. Denn die Menschen, die in Deutschland viel zu lange als "Gastarbeiter" angesehen wurden, sind keine Gäste mehr. Trotz aller Anfeindungen von extremistischer oder populistischer Seite sind sie Teil der deutschen Gesellschaft geworden: Ihre Kinder besuchen deutsche Schulen und Kindergärten, sie haben sich zum Teil erfolgreich in den unterschiedlichsten Berufszweigen integriert, zehntausende von ihnen sind Selbständige, Unternehmer und Akademiker geworden. Die türkische Kultur und die der anderen Einwanderergruppen haben Deutschland in den letzten Jahrzehnten radikal verändert.

Das Hauptproblem bei der Integration bleibt jedoch, dass den Einwanderern die staatsbürgerlichen Rechte verwehrt bleiben. Nach Jahrzehnten besitzen rund zwei Millionen von ihnen noch immer keinen deutschen Pass, obwohl ein Drittel dieser Menschen sogar in der Bundesrepublik geboren wurden.

Deutschland kann und darf sich als demokratischer Rechtsstaat nicht länger leisten, rund zehn Prozent seiner Bevölkerung (sieben Millionen Nichtdeutsche) von elementaren Bürgerrechten und damit von politischer Teilhabe auszuschließen. Die Bundesregierung ist dringend aufgerufen, diesen Menschen, die für den Wiederaufbau und den Wohlstand Deutschlands bedeutende Leistungen erbracht haben, als gleichberechtigte Bürger in die Gesellschaft aufzunehmen.

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