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Mehr Chancengleicheit in der Forschung: Quote einführen

Pressemitteilung von Petra Sitte,

Anlässlich der heute in Berlin stattfindenden EU-Konferenz "Gender in Forschung - Innovation durch Chancengleichheit" erklärt die forschungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE., Petra Sitte:

Die Zahlen zur Repräsentanz von Frauen in der Wissenschaft sind hinlänglich bekannt: Während Frauen fast die Hälfte aller Studierenden stellen, schafft es nur jede siebte bis achte Frau auf eine Professur. Die Hoffnung, dass die nachholende Hochschulbildung von Frauen ihnen automatisch den entsprechenden Anteil in Entscheidungs- und Führungspositionen auch in den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen einbringt, hat sich als falsch herausgestellt.

2006 lief das Bund-Länder-Programm zur Geschlechtergleichstellung aus. Viele Länder und der Bund schafften bisher keinen adäquaten Ersatz. Eine weitere wichtige Chance vergab die Bundesregierung bei den Verhandlungen zum Hochschulpakt 2020. Sie versäumte es, ihre finanziellen Zusagen an die Länder zum Aufbau von mehr Studienplätzen an verbindliche Vereinbarungen zu Gender in der Forschung und für verbesserte Perspektiven von Frauen in der Wissenschaft zu knüpfen.

Wenn mittlerweile laut über den Abschluss von Zielvereinbarungen mit der Wirtschaft nachgedacht wird, die die Zahl der Frauen in Führungspositionen merklich stärken soll, dann dürfen feste Zielmarken in der Wissenschaft kein Tabu bleiben. DIE LINKE. unterstützt daher nachdrücklich den Vorschlag des ehemaligen DFG-Präsidenten und jetzigen Generalsekretär des Europäischen Forschungsrats Ernst-Ludwig Winnacker, Quotierungen auch in der Wissenschaft einzuführen. In der außeruniversitären Forschungslandschaft hat dieser Vorschlag bereits ein positives Echo hervorgerufen.

Diese Maßnahmen können nur dann greifen, wenn sich gleichzeitig auch die Wissenschaftskultur in diesem Land ändert. Gleichstellung ist zwar offiziell ein Querschnittsthema, aber nach wie vor dominiert eine mangelhafte Geschlechtersensibilität. Dies gilt beispielsweise in der Gesundheitsforschung oder in den Technikwissenschaften. Die Ausblendung der Kategorie Geschlecht ist jedoch ein Qualitätsproblem in der Forschung. Daher gehört für uns zum Begriff von wissenschaftlicher Exzellenz auch das Geschlecht als Exzellenzkriterium. Weiterhin sind Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft so zu gestalten, dass sie auch für Frauen attraktiv werden.

DIE LINKE. fordert die Bundesbildungsministerin Schavan auf, die angekündigten Frauenförderprogramm nachzuholen. Konsistente Maßnahmen über die Bundesländergrenzen hinweg müssen oberste Priorität haben und an den Hochschulen aktiv unterstützt werden.

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