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Geisteswissenschaften: Am Problem vorbeigedoktert

Pressemitteilung von Petra Sitte,

Die heutige Eröffnung des Jahres der Geisteswissenschaften nimmt die Fraktion DIE LINKE. im deutschen Bundestag zum Anlass, einen Antrag zur Stärkung der Geisteswissenschaften in den Bundestag einzubringen. Dazu erklärt die forschungs- und technologiepolitische Sprecherin der Fraktion, Petra Sitte:

Wir begrüßen, dass die Bundesregierung die Geisteswissenschaften stärker in den Blick nimmt. Nach sieben Wissenschaftsjahren mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung war dies längst überfällig. Gerade die Geisteswissenschaften sind in der Lage, den gesellschaftlichen und sozialen Wandel zu begleiten, kulturelle Modernisierungsprozesse zu erklären sowie wissenschaftlich fundierte Grundlagen für deren Gestaltung zu erarbeiten.

Doch in einem Jahr sind die Probleme der Hochschul- und Wissenschaftspolitik in Bezug auf die Geisteswissenschaften nicht behoben. Zumal die Bundesregierung ihre Initiative auf die Forschung fokussiert, statt den Empfehlungen des Wissenschaftsrates vom Januar 2006 zu folgen und die Achillesferse - die geisteswissenschaftliche Lehre - zu behandeln. Die Forschungsstärke der deutschen Geisteswissenschaften ist jedoch international anerkannt und unbestritten. Die Regierung doktert deshalb am Problem vorbei.

Die Geisteswissenschaften litten besonders unter der bundesweiten Sparwelle und den Rationalisierungsprozessen an den Hochschulen, ihnen wurde mangelnde Verwertbarkeit ihrer Forschung vorgeworfen, kleine Fächer sind vom Aussterben bedroht. Zudem benachteiligen neue Instrumente der Hochschulfinanzierung wie Drittmittelorientierung und die an Naturwissenschaften ausgerichteten Kriterien der Exzellenzinitiative die Geisteswissenschaften weiter. Dramatisch sind auch Betreuungsrelationen und Abbrecherquoten. Nur ein Zehntel des Hochschulpersonals betreut ein Viertel der Studierenden.

Wenn das Jahr der Geisteswissenschaften nicht nur Symbolwert haben soll, muss die Benachteiligung der Geisteswissenschaften in transdisziplinären Vergleichen, in der Forschungsförderung und innerhochschulischen Mittelzuweisung durch die Vereinbarung adäquater Bewertungskriterien beendet werden. Statt Forschungsprofessuren brauchen wir geeignete Personalkategorien zur Stärkung der Lehre.

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