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Europäischer Forschungsrat muss Geistes- und Sozialwissenschaften aufwerten

Pressemitteilung von Petra Sitte,

Zum heutigen Startschuss für den Europäischen Forschungsrat (ERC) in Berlin erklärt Petra Sitte, forschungs- und technologiepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.:

DIE LINKE. begrüßt, dass die Ausgaben für Wissenschaft und Forschung in der Europäischen Union mit über 50 Milliarden Euro bis zum Jahre 2013 deutlich steigen werden. Kritisch betrachten wir jedoch die überhand nehmende Orientierung auf den unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen von Forschungsergebnissen. Bei einer solchen Ausrichtung laufen soziale und ökologische Nachhaltigkeit Gefahr, als Ziele öffentlicher Forschungsförderung auf der Strecke zu bleiben.

Hier kann der Europäische Forschungsrat eine wichtige Rolle spielen. Ohne industrieorientierte Zielsetzungen kann er mit 7,5 Milliarden Euro die Grundlagenforschung in Europa vorantreiben. Das ist ein wichtiger Fortschritt im Vergleich zu früheren Forschungsrahmenprogrammen der EU.

Schade ist, dass nur 15 Prozent der ERC-Mittel für Sozial- und Geisteswissenschaften vergeben werden sollen. Die restlichen 85 Prozent sollen Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften vorbehalten bleiben. Angesichts des sozialen und gesellschaftlichen Wandels und der kulturellen Modernisierungsprozesse muss die jahrelange Benachteiligung der Sozial- und Geisteswissenschaften ein Ende haben. Es ist zu hoffen, dass der ERC den Sozial- und Geisteswissenschaften in seiner Forschungsförderung mehr Gewicht verleiht.

Auch erwarten wir von der Europäischen Kommission, dass sie ihre Pläne zur Einrichtung eines Europäischen Technologieinstituts endlich aufgibt. Mit einem Finanzbedarf von 2,4 Milliarden Euro entstünde damit ein sehr teures Elite-Großprojekt. Letztlich wäre das nur eine überflüssige Parallelstruktur, mit ähnlichen Aufgaben wie der ERC.

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