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DIE LINKE lehnt das Klonen von Tieren ab

Rede von Kirsten Tackmann,

Rede zu Protokoll von Dr. Kirsten Tackmann, MdB7. Juli 2011, TOP 22, Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (10. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Kerstin Tack, Elvira Drobinski-Weiß, Dr. Wilhelm Priesmeier, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD, Klonen von Tieren zur Lebensmittelproduktion verbieten, Drucksachen 17/5485, 17/5893

Aus Eins mach Zwei. So einfach könnte man das Thema „Klonen“ zusammenfassen, wenn, ja wenn da nicht die eine oder andere kritische Frage unbeantwortet bliebe. Beispielsweise die Frage danach, ob es überhaupt ethisch vertretbar ist. Denn es werden Lebewesen einfach kopiert, die sich eigentlich sexuell fortpflanzen. Also ihre beiden Erbanlagen mischen und neu zusammensetzen. Auch die Frage danach, ob wir mit dem Klonen nicht die ohnehin sinkende genetische Vielfalt unserer Nutztierrassen weiter einschränken. Und spannend bleibt die Frage, warum Verbraucherinnen und Verbraucher Fleisch oder Milch von geklonten Tieren oder deren Nachkommen ablehnen.

Beginnen wir also von vorne: Dolly war die erste. Das Klon-Schaf galt 1996 als wissenschaftlicher Durchbruch. Am Valentins-Tag 2003 musste es allerdings eingeschläfert werden. Die Klonierung wurde als Ursache für die vorzeitige Alterung diskutiert. Doch die Klontechnik entwickelte sich weiter. Unterdessen sind die gesundheitlichen Risiken für die Nachkommen solcher Versuche zwar etwas geringer, aber es ist und bleibt eine Risikotechnologie, auf die Politik und Gesetzgeber zu Recht ein kritisches Auge haben. Deshalb beschäftigten sich in den vergangenen Monaten auch das Europa-Parlament und der Deutsche Bundestag erneut mit dem Thema. EU-Parlament und EU-Agrarrat hatten im Frühjahr vergeblich nach einer gemeinsamen Lösung des Konflikts zum Umgang mit den Nachkommen von Klon-Tieren gesucht. Laut Medienberichten war übrigens Bundeswirtschaftsminister Brüderle dabei das Drängen der US-Agrarlobby auf Zugang zum EU-Markt wichtiger als der Schutz der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher. Er befürchtete einen Handelskrieg und verhinderte den Kompromiss am 28. März 2011. Leider.

Dabei ging es konkret um die Frage, ob z.B. Fleisch, Eier oder Milch von Nachkommen geklonter Tiere in der EU entsprechend gekennzeichnet werden sollen. Das Schnitzel von einem Nachkommen eines Klon-Tieres unterscheidet sich nach derzeitigem Kenntnisstand zwar gesundheitlich und biologisch-physisch nicht von einem normalen Schnitzel.

Aber es gibt dennoch für DIE LINKE im Bundestag und in Brüssel gute Gründe für die Ablehnung des Klonens und die Forderung, dass Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden können, was auf ihrem Teller liegt. Viele würden wissentlich solche Produkte nicht kaufen, das belegt beispielsweise eine Eurobarometer-Umfrage im Auftrag der EU-Kommission aus dem Jahr 2008. Ihr Ergebnis war, dass „43 % der Bürger den Kauf von Lebensmitteln, die von geklonten Tieren stammen, vollkommen ausschließen. Erzeugnisse von durch natürliche Fortpflanzung gezeugten Nachkommen geklonter Tiere würden 41 % nicht erstehen.“

Die Linksfraktion lehnt das Klonen von Tieren aus ethischen, tierschutzrechtlichen und ökologischen Gründen ab. Geklonte Tiere haben häufiger Missbildungen, sind krankheitsanfälliger und sterben oft vorzeitig. Durch das Klonen wird die genetische Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutztiere noch weiter eingeschränkt. Sie ist in den Strukturen der modernen Agrarwirtschaft bereits deutlich zurückgegangen. Ethisch stellt sich die Frage, ob das Kopieren von Individuen überhaupt vertretbar ist. Im Gegensatz zu Pflanzen, welche sich durch die vegetative Vermehrung quasi „selbst klonen können“, pflanzen sich landwirtschaftliche Nutztiere natürlicherweise auf sexuellem Wege fort. Das sollte aus unserer Sicht auch so bleiben. Auch eine steigende Abhängigkeit der Landwirtschaftsbetriebe von Konzernstrukturen wären ein Risiko des Klonens.

Das Klonen - das identische Vervielfältigen eines Individuums - ist ein aufwendiger und teurer Prozess. Darum wird es auch nicht direkt zur Produktion von Mastschweinen oder Milchkühen eingesetzt. Künstliche Besamung und selbst der Embryotransfer sind deutlich billiger und damit wirtschaftlicher. Geklont werden besonders wertvolle Tiere, z.B. Super-Zucht-Bullen. Mit identischen Kopien kann mehr wertvolles Sperma produziert werden. Viele tausend Portionen könnten dann z. B. aus den USA in die EU zur Besamung europäischer Kühe eingeführt werden. Werden deren Kälber geschlachtet entsteht das, was in den Medien verkürzt als „Klonfleisch“ bezeichnet wird. Auf meine Nachfrage, wie viele solcher Klon-Sperma-Portionen bereits nach Deutschland importiert worden sind, antwortete mir die Bundesregierung während der Ausschussdebatte, dass sie das schlicht nicht weiß!

Das Scheitern des Kompromisses im Frühjahr hat zur Folge, dass Fleisch von Klon-Nachkommen weiter nicht gekennzeichnet wird. Es kommt auf unsere Teller, ohne dass wir es wissen oder verhindern könnten.

Der vorliegende SPD-Antrag fordert von der Bundesregierung sich "unverzüglich … für ein Verbot von Erzeugnissen von geklonten Tieren und ihren Nachfahren" einzusetzen. Sie soll auf EU-Ebene einen Vorschlag dazu unterbreiten. Sollte das nicht erfolgsversprechend sein, sollte die Bundesregierung zumindest "eine Initiative für eine Kennzeichnung von Erzeugnissen von geklonten Tieren und ihren Nachfahren … ergreifen". Die Linksfraktion kann sich diesen Forderungen uneingeschränkt anschließen und stimmt dem Antrag daher zu. Wir wollen nicht, wie die Bundesregierung, auf einen neuen Regelungsvorschlag der EU-Kommission im Jahr 2013 warten. Gerade nach dem Scheitern auf EU-Ebene ist uns ein deutliches Zeichen des Bundestages sehr wichtig: Wir lehnen fraktionsübergreifend das Klonen von Tieren ab!


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