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Mehr Sicherheit für junge Menschen auf Ausbildungsplatzsuche

Rede von Nicole Gohlke,

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zuerst mal muss man sich an dieser Stelle ja tatsächlich bei der Union bedanken; denn dank der Union erhält die berufliche Bildung heute im Plenum einen eigenen Tagesordnungspunkt und damit eben auch den Stellenwert, den sie verdient. Die Regierungsfraktionen hatten eine Debatte zur beruflichen Bildung nicht vorgesehen. Sie hatten das gemeinsam mit dem BAföG diskutieren wollen. Damit – das muss man einfach sagen – wird man aber weder dem einen noch dem anderen Thema gerecht. Die berufliche Bildung sollte wirklich nicht so abgespeist werden.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

– Die Union darf an dieser Stelle klatschen, genau.

Aber jetzt zum Thema. Die Zahlen des jüngsten Berufsbildungsberichts werfen einen ziemlich dunklen Schatten auf die Perspektiven junger Menschen. Die Wirtschaft vergießt wieder mal Krokodilstränen: Sie findet keine Leute, bekommt ihre Ausbildungsplätze nicht besetzt. Ja, 63 000 Plätze wurden im letzten Jahr nicht besetzt. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass 68 000 Menschen im letzten Jahr keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und dass 2,3 Millionen junge Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren gar keinen Berufsabschluss haben und dringend die Chance brauchten, einen zu machen. Es ist einfach zu kurz gegriffen, wenn immer wieder behauptet wird, wir hätten vor allem oder nur ein Passungsproblem. Die Probleme liegen an dieser Stelle tiefer. Da muss die Politik jetzt endlich ran.

(Beifall bei der LINKEN)

228 000 junge Menschen sind im letzten Jahr im sogenannten Übergangssystem gelandet oder vielmehr gestrandet; denn dieses System führt ja nirgendwohin, es führt nicht zu irgendeinem Abschluss. Aber zwei Drittel der Jugendlichen in diesem Übergangssystem haben einen Schulabschluss, sie haben einen Hauptschul- oder einen mittleren Schulabschluss. Ich sage Ihnen: Genau solche Zustände, sich einen Schulabschluss erarbeitet, vielleicht sogar erkämpft zu haben und dann nichts damit machen zu dürfen, sind schuld daran, dass junge Menschen das Gefühl haben, ihr Abschluss, ihre Arbeit sei nichts wert. Genau das ist das Resultat, und das darf nicht so bleiben.

(Beifall bei der LINKEN)

Das ist auch deswegen verrückt, weil gleichzeitig 230 000 Erzieherinnen und Erzieher und 300 000 Pflegekräfte fehlen und im Handwerk ein massiver Fachkräftemangel herrscht. Wie zur Hölle kann man es denn da verantworten, dass junge Menschen nach der Schule erst mal Extrarunden im Übergangssystem drehen müssen oder ungelernt in prekären oder schlechten Jobs arbeiten müssen? Das ist doch wirklich vollkommen irre.

(Beifall bei der LINKEN)

Doch statt hier wirklich konkret gegenzusteuern, setzt die Bundesregierung offenbar auf die alten Rezepte – so lesen wir den Koalitionsvertrag –, auf die Allianz für Aus- und Weiterbildung, auf einen Berufsbildungspakt, allesamt Rezepte, von denen wir aus den letzten Jahren wissen, dass sie nicht fruchten. Was die jungen Menschen jetzt brauchen, sind Sicherheiten. Sie brauchen die Sicherheit, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, die Sicherheit, von der Ausbildungsvergütung leben zu können und während der Ausbildung gut betreut zu werden, sie brauchen die Sicherheit, nach der Ausbildung eine Perspektive im Unternehmen zu haben. Darum muss es jetzt gehen: um sichere Ausbildungsplätze und um Ausbildungsqualität.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Ausbildung, der allen Menschen eine vollqualifizierende Ausbildung garantiert, eine solidarische Umlagefinanzierung, die alle Betriebe für die Finanzierung der Ausbildung junger Menschen in die Pflicht nimmt, und es geht vor allem darum, die Schutz- und Mitspracherechte von Auszubildenden zu stärken. So lässt sich der Fachkräftemangel bekämpfen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)

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