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Rede von Karin Binder am 10.11.2016

Rede von Karin Binder,

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Frau Mortler, hinter Ihren Hinweis, wer diese Debatte mit Klamauk begleitet, setze ich ein großes Fragezeichen. Ich finde, der Antrag der Grünen ist sehr ernst zu nehmen, und ich finde auch richtig gut, dass man sich darüber qualifiziert unterhält, und zwar ohne eine solche Polemik, wie Sie sie hier gezeigt haben.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

"Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher legen Wert darauf, beim Lebensmittel-Einkauf die Landwirtschaft in ihrer Region zu unterstützen"

(Marlene Mortler [CDU/CSU]: Ach!)

"und regionale Arbeitsplätze zu sichern. Für viele Käufer spielen auch kurze Transportwege und damit mehr Klimaschutz eine Rolle bei der Kaufentscheidung."

Besser könnte ich es nicht sagen. Das steht so auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

(Zuruf der Abg. Marlene Mortler [CDU/CSU])

– Sie haben recht: Da steht vieles, was richtig ist. – Das Problem ist nur: In der Konsequenz fehlt leider die Sicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher, dass überall da, wo „regional“ draufsteht, auch wirklich regional drin ist.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Es geht damit los, dass mindestens 51 Prozent eines Produktes aus regionalen Rohstoffen bestehen müssen. Bitte schön, warum nur 51 Prozent? Ich kapiere das gar nicht. „Regional“ heißt für mich: Das kommt aus der Region. Daher finde ich es notwendig, dass mindestens 70 Prozent, wenn nicht sogar 100 Prozent des Produktes aus regionalen Rohstoffen bestehen. Ich gebe zu: Manche Gewürze und andere Zutaten dürfen auch woanders herkommen. Das ist aber nichts, was die Umwelt nachhaltig schädigen könnte. Kurze Transportwege, damit regionale Kreisläufe, regionale Landwirtschaft, regionaler Handel und regionale Vermarktung stattfinden können, wodurch Nachhaltigkeit gewährleistet wird – ich glaube, das sollte unser aller Anliegen sein.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ganz nebenbei erreichen wir damit faire Preise. Ich behaupte eins: Mit Regionalität wird das Geld tatsächlich bei denen ankommen, die für die Erzeugung zuständig sind. Das steht im Gegensatz zu Produkten, die weltweit gehandelt werden. Wenn etwas dreimal um den Globus transportiert wird, dann kommt das Geld nicht beim Erzeuger an – das wissen wir alle –, egal ob etwas in Bangladesch, in Indien oder hier vor Ort erzeugt wird, sondern das Geld landet irgendwo im Bereich Speditionen, Marketing oder sonst wo. Das kann uns doch nicht egal sein. Deshalb finde ich es richtig, dass der Antrag der Grünen heute hier diskutiert wird, und zwar ernsthaft.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Kurze Wege zwischen Acker und Verkaufsregal bedeuten Umweltschutz, bedeuten Klimaschutz, bedeuten Verbraucherschutz und bedeuten Tierschutz. Das ist doch ein ganz wesentlicher Aspekt. Deshalb muss auch dieses Regionalsiegel verbindlich sein, und es darf nicht eine Fülle von Siegeln geben, die einmal geprüft, einmal nicht geprüft werden und ein anderes Mal einfach ein Marketing-Gag sind. Wir brauchen hier eine ernsthafte Behandlung. Wir brauchen eine Vorgabe. Als „regional“ darf wirklich nur das bezeichnet werden, was auch dementsprechend geprüft wurde; denn alles andere ist Beschiss am Verbraucher und pure Geldmacherei. Ich finde, das sollte man hier im Hohen Hause nicht unterstützen.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich möchte jetzt ungern wieder den Schwarzwälder Schinken bemühen; aber man muss sich trotzdem einmal vergegenwärtigen, dass all die Leute, die Schwarzwälder Schinken kaufen und glauben, er komme tatsächlich aus dem Schwarzwald, schlichtweg enttäuscht sein müssen, weil die verarbeiteten Schweinekeulen eine weite Reise hinter sich haben, zumindest in 90 Prozent aller Fälle. Ich finde, dann darf das maximal „Schinken nach Schwarzwälder Art“ heißen, aber nicht „Schwarzwälder Schinken“.

Es gibt ganz viele andere Beispiele, die zeigen, wie getrickst und getäuscht wird. Ich meine, wir sollten dem endlich einen Riegel vorschieben, indem man die Kennzeichnung „Regionalität“ auch wirklich gesetzlich schützt.

Vielen Dank, meine Damen und Herren. Wir werden uns weiter beraten.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)