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Allein mit Kind - arm für's Leben?

Positionspapier,

Jedes sechste Kind lebt im Haushalt einer/eines Alleinerziehenden. Alleinerziehende sind fast ausschließlich Frauen. Beinahe jede zweite Alleinerziehende ist mit ihren Kindern auf Hartz IV angewiesen. Das sind 660.000 Alleinerziehende und fast 1 Mio. Kinder. Verantwortlich für die soziale Problemlage von Alleinerziehenden sind ihre weit unterdurchschnittlichen Einkommen und eine verfehlte Sozialpolitik.

Positionspapier des Arbeitskreises IV - Gesundheit und Soziale Sicherung der Fraktion.

Jedes sechste Kind lebt im Haushalt einer/eines Alleinerziehenden. Alleinerziehende sind fast ausschließlich Frauen. Beinahe jede zweite Alleinerziehende ist mit ihren Kindern auf Hartz IV angewiesen. Das sind 660.000 Alleinerziehende und fast 1 Mio. Kinder. Köln und Frankfurt am Main zusammen haben nicht so viele Einwohner. Jedes zweite Kind im Bezug von »Hartz IV« lebt bei einer Alleinerziehenden.
Alleinerziehende sind fünfmal häufiger auf Leistungen des SGB II angewiesen als andere Familien mit Kindern. Verantwortlich für die soziale Problemlage von Alleinerziehenden sind ihre weit unterdurchschnittlichen Einkommen und eine verfehlte Sozialpolitik.

Vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen

Vier von fünf Alleinerziehenden stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Damit erreichen Alleinerziehende eine weit überdurchschnittliche Erwerbsquote, vergleichbar mit derjenigen von Männern. Qualitativ sind die Unterschiede jedoch erheblich. Jede sechste Alleinerziehende ist arbeitslos; fast dreimal so oft wie Männer. Die Hälfte der Alleinerziehenden ist teilzeitbeschäftigt; rund sieben mal so oft wie Männer.

Die prekäre Situation am Arbeitsmarkt drückt sich auch in den häufig sehr niedrigen Löhnen aus. Zweidrittel der Alleinerziehenden, die zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sind, arbeiten für Stundenlöhne unter 7,50 Euro.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beginnt am Arbeitsplatz. Die Familienpolitik hat diese Erkenntnis viel zu lange vernachlässigt. Die Folgen spüren besonders Alleinerziehende mit Kindern. Der Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen zwingt Alleinerziehende entweder Teilzeit oder gar nicht zu arbeiten. Das Angebot an Teilzeitstellen jedoch ist sehr niedrig und häufig sind sie schlecht bezahlt. Hierin liegt die zentrale Ursache für das hohe Armutsrisiko von Alleinerziehenden.

Rund ein Fünftel der arbeitslos gemeldeten Alleinerziehenden ist ausschließlich wegen fehlender Kinderbetreuung erwerbslos. Die Dunkelziffer ist vermutlich größer. Alleinerziehende mit Kindern unter drei Jahren gelten nicht als „arbeitslos“. Die fehlende Kinderbetreuung ist der Hauptgrund dafür, keiner Erwerbsarbeit nach gehen zu können. Dabei geht es nicht nur um die Betreuung von unter dreijährigen Kindern: es fehlt auch an inklusiven Betreuungsangeboten für Kinder mit Behinderung, den Arbeitszeiten angepasste Betreuung sowie an Möglichkeiten der Nachmittagsbetreuung.

Alleinerziehende arbeiten sehr häufig für Niedriglöhne. Dies liegt nicht an der Qualifikation der Alleinerziehenden. Diese ist durchschnittlich. Ins Gewicht fällt der hohe Anteil an Alleinerziehenden in Ostdeutschland: Niedriglöhne sind dort deutlich verbreiteter. Ferner drückt Hartz IV auf das Lohngefüge. Die Hälfte der Alleinerziehende ist dem Druck durch Hartz IV unmittelbar ausgesetzt. Aufgrund der Kindererziehung sind Alleinerziehende räumlich und zeitlich weniger flexibel. Froh überhaupt Arbeit zu finden, akzeptieren Alleinerziehende daher auch sehr schlecht bezahlte Arbeit.

Wesentliche Faktoren für die schlechte finanzielle Lage von Alleinerziehenden sind also:

  • Erwerbslosigkeit, wegen
    • fehlender Kinderbetreuung (vor allem mit Kindern unter 3 Jahren)
    • allgemeinem Arbeitplatzmangel
    • einer, vor allem für Alleinerziehende, familienfeindlichen Arbeitswelt
  • Teilzeitarbeit, wegen
    • fehlender Kinderbetreuung (vor allem fehlender Ganztagesbetreuung)
    • familienfeindlicher Arbeitswelt (vereinbaren von Erziehung und Erwerbsarbeit)
  • niedrige Löhne, da
    • Alleinerziehende zu über 90 Prozent Frauen sind („gender-pay gap“)
    • es in Ostdeutschland mehr Alleinerziehende gibt (Niedriglöhne sind dort verbreiteter)
    • Alleinerziehende weniger flexibel und daher stärker auf prekäre Arbeitplätze angewiesen sind

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