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Zukunft für Haiti

Nachricht von Heike Hänsel, Niema Movassat, Kirsten Tackmann,

Thomas Jacques, Agrarminister der Republik Haiti, nutzte seinen Berlin-Besuch anlässlich der Grünen Woche und dem Welt-Agrarministerfreffen zu politischen Gesprächen mit Entwicklungs- und Agrarpolitiker/innen der Linksfraktion. Er wurde am vergangenen Donnerstag von den Abgeordneten Heike Hänsel, Dr. Kirsten Tackmann und Niema Movassat empfangen.

Im Jahr 2008 hatten die Menschen in Haiti besonders schwer unter den globalen Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln zu leiden. Bilder von Protesten und Menschen, die aus Lehm Kekse buken, gingen damals um die Welt. Die hohe Abhängigkeit der Haitianerinnen und Haitianer von importierten Lebensmitteln gefährdet nach wie vor ihre Nahrungsmittelsicherheit. Nach dem Erdbeben vor genau vier Jahren, das hunderttausende Menschenleben forderte, haben sich die Lebensbedingungen nochmals verschlechtert. Die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion ist deshalb ein vorrangiges Ziel, sagte der haitianische Agrarminister Thomas Jacques bei einem Treffen mit Entwicklungs- und Agrarpolitiker_innen der Fraktion DIE LINKE in Berlin. Er erläuterte die Agrarstrategie seiner Regierung, die einerseits auf Produktionszuwachs bei Grundnahrungsmitteln wie Mais und Reis, andererseits auf dem Export spezialisierter Produkte wie Kakao, Mango oder Papaya beruhe.

Thomas Jacques zeigte sich besonders interessiert an den deutschen Erfahrungen mit dem Anbau von Bioprodukten, mit Zertifizierungen und dem Einsatz regenerativer Energien sowie an Ausbildungshilfe. Kirsten Tackmann, Agrarexpertin der Fraktion, bot an, Erfahrungen beim Aufbau von Genossenschaften für die haitianische Agrarstrategie nutzbar zu machen. Wichtig sei, so Tackmann, dass der Anbau von Exportprodukten nicht in Flächenkonkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln trete. Letzterer müsse immer vorrangig sein. Der Entwicklungspolitiker Niema Movassat erinnerte an das letzte Treffen der Welthandelsorganisation im Dezember in Bali. Die Fraktion DIE LINKE hatte die Ergebnisse des Treffens als entwicklungsfeindlich kritisiert. Sie wird sich weiterhin für gerechte Handelsbeziehungen einsetzen, damit sich die lokale Landwirtschaft in Haiti und anderswo geschützt entwickeln kann.

Die nun bereits zehn Jahre dauernde UN-Militärmission MINUSTAH in Haiti kritisierte der Geschäftsführer der haitianischen Botschaft, Patrick Saint-Hilaire, mit einem Zitat des früheren haitianischen Präsidenten, René Préval, die Panzer der MINUSTAH mögen sich in Bulldozer und Traktoren verwandeln. Die Fraktion DIE LINKE fordert seit langem den Abzug der MINUSTAH aus Haiti und die Umwidmung der enormen Mittel, die durch die Militärmission gebunden werden, in zivile Aufbauhilfe, insbesondere in der Landwirtschaft und Infrastruktur.

Der Minister zeigte sich sehr interessiert daran, die deutsch-haitianische Zusammenarbeit zu vertiefen. Er bedankte sich für das Engagement deutscher Entwicklungsorganisationen wie der Welthungerhilfe im Bereich der Landwirtschaft. Für die Fraktion DIE LINKE versicherte die Entwicklungspolitikerin Heike Hänsel, sich weiterhin für die Intensivierung der Beziehungen einzusetzen. In den letzten Jahren hatte sich die Fraktion immer wieder parlamentarisch für die Wiederaufnahme von Haiti auf die BMZ-Länderliste eingesetzt.

linksfraktion.de, 20. Januar 2014

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