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Widerliches Machwerk rechtfertigt keine Gewalt

Im Wortlaut von Jan van Aken,

Kommentar

Von Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
 

 

 

Ganz offensichtlich hat das Video, das den Propheten Mohammed als mordlustigen, debilen Kinderschänder darstellt, nur ein einziges Ziel: Es soll die Gefühle gläubiger Muslime verletzen. Es ist ein fieses, aggressives Machwerk, das ich persönlich ziemlich widerlich finde. Trotzdem rechtfertigt die Wut über diesen Film nicht die jetzigen Gewaltausbrüche, die wir in vielen Ländern beobachten. Es fällt auf, dass es nur eine vergleichsweise kleine Gruppe ist, die mit brutalster Gewalt auf das Video reagiert – bis hin zum Mord am amerikanischen Botschafter in Libyen. Hier werden Menschen offenbar ganz gezielt aufgehetzt, um damit andere politisch-religiöse Ziele zu verfolgen. Hier wird das Hetzvideo gezielt verbreitet, um eine allgemeine anti-amerikanische oder anti-westliche Stimmung anzuheizen.

Es ist müßig, über ein Verbot des Videos zu diskutieren, denn im Internet kursiert es längst weltweit, es ist dort bereits über zehn Millionen Mal angeschaut worden, und Internetsperren findet DIE LINKE grundsätzlich falsch. Aber falls rassistische oder anti-muslimische Organisationen diesen Film in Deutschland aufführen wollen, sollten wir als LINKE dagegen protestieren und demonstrieren. Ein Verbot fände ich auch aus anderen Gründen falsch: Das Video ist zwar aggressiv und verletzend. Aber nur weil es jetzt als Projektionsfläche für Gewalt herangezogen wird, muss man eine derart billige Provokation nicht verbieten. Als LINKE sind wir für das Verbot faschistischer Propaganda - denn Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Aber in diese Kategorie gehört dieser Film nun wirklich nicht. 

Ich würde mir wünschen, dass die ganz große Mehrheit der Muslime, Christen und Andersgläubigen in Ost, West, Nord und Süd, die weder so ein Video gutheißen noch jetzt gewalttätig werden, sich gemeinsam gegen beides stellen würden: Sowohl gegen die aggressive Verletzung religiöser Gefühle, als auch gegen den Missbrauch religiöser Gefühle für politische Zwecke.

linksfraktion.de, 20. September 2012

 

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