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Weltmeistertitel mit links

Kolumne von Katrin Kunert,

 

Von Katrin Kunert, für DIE LINKE. Obfrau im Sportausschuss des Bundestages

Heute geht die Fanmeile in Berlin am Brandenburger Tor in die Verlängerung, wenn die Weltmeister aus Brasilien nach Berlin kommen, um mit den Fans gemeinsam zu feiern. Deutschland ist Fußballweltmeister.

Endlich ist der Fußball-Marathon zu Ende. Vier Wochen spannende und klasse Spiele, aufstrebende Mannschaften wie die USA, Belgien oder Kolumbien und Megaausfälle wie bei Portugal, England oder Italien. Alles ging mit vielen Emotionen und auch ewig lang dauernden Spielen einher. Und wer das Finale gesehen hat, musste nach der 113. Minute um den Fernsehmoderator Bartels bangen, er schien dem Infarkt nahe. So ein tolles Tor von Götze, der es mit links machte.

Auch ich hatte Freude an den Spielen, an der Stimmung in der Sportwelt, und ich freue mich über den Weltmeistertitel. Allerdings hat die Goldmedaille, die die deutschen Fußballer zur Ehrung erhielten, eine zweite Seite. Hinter der goldenen Seite verbirgt sich die dunkle Seite. Auch wenn die Brasilianerinnen und Brasilianer in den Spielorten für eine tolle Stimmung sorgten, so kehrt jetzt der Alltag in Brasilien zurück: eine korrupte Regierung, ein riesiger Schuldenberg und viel Armut.

Die Kosten der WM von etwa 10 Milliarden Euro haben nun alle im Land zu tragen. Der große Gewinner ist wieder einmal die FIFA. Die FIFA sackt die großen Gewinne ein und gibt nichts zurück.

Der DFB - der auch in der Kritik steht - hat nach der Fußball-WM in Deutschland 2006 viele Projekte angeschoben, 1000 Bolzplätze bundesweit gebaut, finanziert Übungsleiterausbildungen und engagiert sich im Umweltschutz. Zudem wird der Mädchen- und Frauenfußball unterstützt. Im Rahmen der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland sind Stadien ertüchtigt worden, die bis heute intensiv genutzt werden und: Das gesamte Ticketing hatte die gesamte Familie im Fokus und nicht nur den Fußballnarr oder -närrin.

Auch wenn wir den Gigantismus in Fußballdeutschland kritisieren, gibt es durchaus Beispiele beim DFB, dass es anders geht, als es die FIFA macht. In Brasilien sind Stadien gebaut worden, die wie große Ufos in den Siedlungen stehen und wohl kaum nachhaltig genutzt werden können, weil es keine Erstligavereine dort gibt.

Brasilien hat sich eine WM geleistet und die Armut im Land ignoriert. Armenviertel sind geräumt worden, weil sie nicht ins Bild passten. Wie also können wir die Freude am Fußball bei einer WM befreit ausdrücken ohne das schlechte Gewissen? Wie können wir sichern, dass sportliche Großveranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele nicht an Länder vergeben werden, wo Korruption, Menschenrechtsverletzungen, soziale Verwerfungen, Missachtung des Umwelt- und Klimaschutzes und ein fehlendes Interesse zur Dopingbekämpfung auf der Tagesordnung stehen?

Wie aber sollen Kriterien definiert und eingehalten werden, wenn die FIFA wie ein Raumschiff frei von allen Einflüssen - außer vom Geld - agiert? Das ist etwas, was wir politisch anschieben müssen, hier in Deutschland und international. Was wir aber immer zulassen sollten, ist die Freude am Sport und am Fußball. Nach jedem erfolgreichen Fußballturnier kamen viele tausend Jungen und Mädchen in die Vereine, um Sport zu treiben. Ein Mesut Özil kam genau über diesen Weg, Götze oder Kroos ebenso.

Eine Bemerkung zum noch Abschluss: die deutsche Mannschaft hat keine Gallionsfigur wie Portugal oder Argentinien, die deutsche Mannschaft hatte Teamgeist: Schwächelt einer, springt der nächste ein. Diesen Kampfgeist wünschte ich mir manchmal in der eigenen Truppe.

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