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Weil das Ossi benachteiligt wird

Im Wortlaut von Petra Pau,

Petra Pau vertritt den Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf seit elf Jahren als Direktgewählte im Bundestag. Ihre Wohnung in der Ost-Platte in Marzahn hat sie kürzlich gegen eine West-Platte in Hellersdorf getauscht. Auch in ihrem Wahlkreis haben die Menschen Angst vor Armut und Wut über Ungerechtigkeit.

Petra Pau vor der Marzahner Mühle in ihrem Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf, Foto: Uwe Steinert

 

 

Ihren Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf kennt man weit über die Berliner Landesgrenzen hinaus als "Platte fernost".

Petra Pau: Und ich kenne diese Klischees, die gelegentlich selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bedient werden.

Wie beschreiben Sie ihren Wahlkreis?

Marzahn-Hellersdorf hat den zweithöchsten Berg Berlins, die schönsten Gärten der Welt, dazu gehört das größte Siedlungsgebiet Europas mit Ein- und Zweifamilien-Häuser, und in Marzahn-Hellersdorf leben so viele Bürgerinnen und Bürger wie in Kiel oder Magdeburg.

Sie verschweigen die verpönten Plattenbauten?

Nie und nimmer. Über 20 Jahre habe ich in einer sanierten Ost-Platte gewohnt. Meine neue Wohnung ist eine West-Platte. Die erste gehörte zu Hellersdorf, die aktuelle zu Marzahn, zwischen beiden fließt die Wuhle.

Wer Marzahn überlebt, habe das Zeug zum Olympiasieg, hatte ein Sportreporter kommentiert.

Wir haben Herrn Poschmann daraufhin freundlich nach Marzahn-Hellersdorf eingeladen.

Und?

Er war offenbar zu feige oder zu arrogant, um zu kommen.

Sie haben Marzahn-Hellersdorf als Kommunal-, als Landes- und als Bundespolitikerin erlebt…

…alle drei Perspektiven gehören zueinander. Auch Bürgerinnen und Bürger sortieren ihre Probleme nicht nach den formal zuständigen Ebenen.

Was sind aus Ihrer Sicht die drei Hauptprobleme im Wahlkreis?

Erstens: Die Zahl der Arbeitslosen und Hartz IV-Betroffenen ist hoch. Zweitens: Marzahn-Hellersdorf war noch in den 1990er Jahren im Altersschnitt der jüngste Berliner Bezirk. Das hat sich rapide gewandelt. Drittens: Die finanziellen Spielräume des Bezirkes werden durch bundes- und landespolitische Entscheidungen immer geringer. Das ist unsäglich.

Die FDP plakatiert: Keine neue Steuern, keine neue Schulden!

So ist das im Wolken-Kuckucks-Heim.

Steuern haben auf Erden keinen guten Ruf, Schulden auch nicht.

Die Steuerpläne der LINKEN entlasten alle mit einem Jahresgehalt bis zu 60.000 Euro. Das bietet keine andere Partei. Und wir wollen alle Millionäre und Milliardäre dynamisch belasten. Das will so auch keine andere Partei. Auf unseren Plakaten heißt das salopp: Teilen macht Spaß!

Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptthemen in Marzahn-Hellersdorf, wenn es um die Wahlen geht?

Auch wenn es nicht um Wahlen geht: Angst vor Armut und Wut über Ungerechtigkeit. Das Ossi fühlt sich benachteiligt, weil es benachteiligt wird.

Die SPD hat plakatiert: Wir gleichen die Ost-Renten an!

Solche Plakate gab es vor vier Jahren auch schon. Richtig ist: Seit über zehn Jahren fordert DIE LINKE im Bundestag, das Problem zu lösen und hat dazu Vorschläge unterbreitet. Alle anderen Parteien, auch die SPD, haben dies wieder und wieder abgelehnt.


linksfraktion.de, 6. September 2013

 

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