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Was war da los, Yvonne Ploetz?

Im Wortlaut von Yvonne Ploetz,

 

Yvonne Ploetz, frauenpolitische Sprecherin und Mitglied des Vorstandes der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, über eine historische Frauenfraktion, Männerpraktika und die vorgezogene Neuwahl in ihrer saarländischen Heimat

 

 

Die Bundestagfraktion DIE LINKE hat den diesjährigen Internationalen Frauentag für eine kreative Aktion genutzt. Wir wollten frischen Wind in die frauenpolitische Debatte bringen, öffentlich demonstrieren, dass die häufige Reduzierung von Frauenpolitik auf die Frage einer Quotenregelung für Führungspositionen in der Wirtschaft alleine zu kurz greift – so wichtig diese auch ist. Wir wollten zeigen, dass es um die ganze Frauenfrage gehen muss, das heißt dass wir die Situation der vielen Frauen in unsicheren und schlecht bezahlten Jobs ins Zentrum der Debatte stellen müssen, den Arbeiterinnenschutz, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Gleichbehandlung von ledigen Müttern oder auch die Beteiligung von Frauen im politischen Prozess. Und wir wollten zeigen, das Emanzipation uns alle angeht, Männer und Frauen.

Um diesen Standpunkt der LINKE zu verdeutlichen, hat unsere Fraktion einen Aktionstag beschlossen. Mit großer Mehrheit, wie ich betonen möchte - bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Die Frauen der Bundestagsfraktion haben am 8. März die erste reine Frauenfraktion in der Geschichte der Bundesrepublik gebildet und damit ein starkes Zeichen dafür gesetzt, dass wir, die Frauen, die Männerdomänen – nicht nur in der Politik – ganz problemlos meistern.

Gleichzeitig haben die männlichen Abgeordneten unserer Fraktion Tagespraktika in sogenannten frauentypischen Berufen absolviert. So war beispielsweise Gregor Gysi in einer Kita. Steffen Bockhahn hat in Rostock geputzt. Und Ulrich Maurer hat beim Friseur gearbeitet. Unsere Abgeordneten wollten dadurch würdigen, was Frauen in verschiedenen Berufen Tag für Tag leisten. Und sie wollten am eigenen Leib erfahren, wie sich die Arbeitswelt für Frauen verändert hat und welche Herausforderungen sie zu meistern haben.

Denn wir dürfen insbesondere eins nicht vergessen: Neben Jugendlichen sind es vor allem Frauen, die mit prekären Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen haben. Gerade sie arbeiten verstärkt in sogenannten Dienstleistungsberufen, vor allem in den Bereichen Bildung, Pflege oder Erziehung, also dort, wo unsichere und schlecht bezahlte Jobs mehr und mehr um sich greifen. Nach wir vor zeigen sich deutliche Unterschiede in der Höhe der Bezahlung zwischen den Geschlechtern und in den vorhandenen Aufstiegschancen am deutschen Arbeitsmarkt. Darüber hinaus sind sozial schwächere Frauen besonders stark von Prekarisierung, ökonomischer Unsicherheit und Verarmung betroffen. Das ist nicht hinnehmbar. Es gilt: Frauenpolitik ohne eine linke Wirtschafts- und Sozialpolitik ist ebenso wenig denkbar, wie eine linke Wirtschafts- und Sozialpolitik, die nicht klare feministische Positionen bezieht.

Dass unsere Aktion in den Medien breit aufgenommen worden ist, freut mich übrigens sehr. In der ARD-Tagesschau, in den wichtigen überregionalen Zeitungen, wie beispielsweise taz und Frankfurter Rundschau, ist über die Aktion der LINKEN berichtet worden, aber auch im Radio. Mehr freut mich aber noch, dass unsere Botschaft offenbar bei sehr vielen Menschen auf der Straße, in den Betrieben, Schulen und Universitäten angekommen ist.

In meiner saarländischen Heimat wird am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Ich bin in den zurückliegenden Tagen und Wochen immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern vor Ort auf die Aktion angesprochen worden. Sie hat großen Zuspruch gefunden. Es ist wichtig, dass es eine Partei wie DIE LINKE gibt, die die Situation der Kolleginnen ernst nimmt und sich in ihrem Sinne einsetzt. DIE LINKE ist und bleibt das zentrale sozialpolitische Korrektiv in der deutschen Politik, denn  sie ist die einzige Partei der sozialen Gerechtigkeit. Es ist deshalb wichtig, dass sie stark aus der Wahl im Saarland hervorgeht. Deshalb ist es ebenfalls wichtig, dass sie auch bundespolitisch stark bleibt. Dafür streiten wir.

linksfraktion.de, 20. März 2012