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Was war da los, Gesine Lötzsch?

Im Wortlaut,

Dagmar Enkelmam (2.v.l.), Jenny de la Torre und Gesine Lötzsch

Von Gesine Lötzsch

Traditionell haben wir heute Jenny de la Torre, der engagierten Ärztin und Vorsitzenden der gleichnamigen Obdachlosenstiftung, Weihnachtsspenden von Mitarbeitern und Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestag übergeben. Trotz der vielen Arbeit und der heute noch anstehenden großen Weihnachtsfeier nahm sich Jenny de la Torre die Zeit und gab uns einen kleinen Einblick in ihre schwere und aufopferungsvolle Arbeit. Sie berichtete uns von der verschärften Situation der Obdachlosen. Von den 11.000 "offiziellen" Obdachlosen Berlins leben 4000 auf der Straße und sind bei eisigen Temperaturen auf die wenigen Übernachtungsplätze in Notunterkünften angewiesen. Davon gibt es in Berlin in diesem Jahr nur noch 430. Nicht selten schlafen die Obdachlosen in den völlig überfüllten Schlafräumen im Stehen. Auf engstem Raum ist die Übertragung von parasitären Hautkrankheiten beinahe unvermeidbar. Verbrennungen infolge des direkten Kontakts mit den wärmenden Heizkörpern sind an der Tagesordnung. Zudem kommen vermehrt Obdachlose aus anderen EU-Staaten in der Hoffnung, es würde ihnen in Deutschland immer noch besser als in ihren krisengeschüttelten Heimatländern gehen. Sie werden von der Statistik erst gar nicht erfasst.

Trotzdem ist Jenny de la Torres Zuversicht unerschüttert. Sie könne sich Pessimismus gar nicht leisten, sagt sie. Wie solle sie den Patienten Mut machen können, wenn sie ihn selbst verloren hätte.

linksfraktion.de, 17. Dezember 2012