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Was hat eine Fabrikbesetzung in Argentinien mit Arbeitsplätzen in Peiting zu tun?

Im Wortlaut von Harald Weinberg,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Diskussion in Peiting: Harald Weinberg ( m. im dunklen Sakko)

 

Am 13. Juli 2011 wurde in der Zechenschenke in Peiting der Film "Mate, Ton und Produktion - Eine Fabrik unter Arbeiterkontrolle" gezeigt. Zwei engagierte Filmemacherinnen aus Berlin, Susanne Dzeik und Kirsten Wagenschein, haben den Film im Jahre 2003 gedreht.

  Noch immer werden Firmen, die schwarze Zahlen schreiben, aus Profitinteressen zerstört und Arbeitsplätze vernichtet; so geschehen mit der Firma Zarges vor einem Jahr in Peiting. Daher war es interessant, einen Film zu sehen, der den kreativen Kampf der Beschäftigten um die Keramikfabrik Zanon in Argentinien zeigt. Dort nahmen Arbeiter und Arbeiterinnen ihr Glück selbst in die Hand, nachdem sich die Eigentümer aus dem Staub gemacht hatten. Sie besetzten ihre Firma und produzierten ohne Chefs und ohne Hierarchien weiter. Das hat nicht nur die Art des Arbeitens, sondern die Menschen vor Ort und die gesamte Region verändert. Der Konflikt um Zanon wurde in Lateinamerika zum Symbol der neuen sozialen Bewegungen. Das Unternehmen ist nach zehn Jahren Protest erst seit diesem Jahr (2011) legal enteignet und heißt heute FASINPAT (Fabrica sin Patrones = Fabrik ohne Chefs). Dieses Beispiel hat Schule gemacht. Heute gibt es in Argentinien ca. 260 besetzte Betriebe aus den verschiedensten Branchen.   In der spannenden Diskussion im Anschluss stellte sich auch die Frage, ob der Konflikt um Zarges wohl anders verlaufen wäre, hätten die Beschäftigten damals diesen Film gesehen.   Angesichts der Eurokrise waren sich alle darüber einig, dass den meisten Menschen in diesem Land sehr bewusst ist, dass dieses System in einer Krise steckt und wie wichtig es ist, dass es wenigstens eine Partei gibt, die die Systemfrage stellt und über neue Lösungen nachdenkt. Am Beispiel der Argentinier wurde aber auch deutlich, wie notwendig es ist, wenn Menschen versuchen in dieser Lage neue Wege zu gehen, die ihnen nicht stellvertretend "von oben" vorgegeben werden. Ich sagte, dass es eine wesentliche Aufgabe der Linken ist, sie in ihren Bemühungen zu unterstützen, und wies darauf hin, dass eine kleine Gruppe in der Bundesrepublik doppelt so viel Barvermögen besitzt, wie die gesamte Verschuldung des Landes. Deutschland hat vom Euro am meisten profitiert. Der Schutzschirm für Griechenland ist in Wirklichkeit ein Geschenk an die Banken, damit diese wieder einmal Wertberichtigungen zu ihren Gunsten auf Kosten der Steuerzahler vornehmen können. "Alle wissen doch schon, dass diese Politik auf Dauer nicht gut geht", meinte ein Teilnehmer. "Aber solange noch nichts passiert ist, machen alle so weiter wie bisher. Erst danach ist man immer schlauer." Auch die Rolle der Medien wurde angesprochen. Warum werden zum Beispiel solche Filme nicht im Fernsehen gezeigt?

Von Harald Weinberg

linksfraktion.de, 13. Juli 2011

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