Zum Hauptinhalt springen

Wahlkreisbüro wird zur provisorischen Kinderbetreuungsstätte

Im Wortlaut von Katrin Kunert,

Katrin Kunert, Abgeordnete aus dem Wahlkreis Altmark in Sachsen-Anhalt, "schwänzt" diese Sitzungswoche und hilft stattdessen in Büttnershof nahe der Elbe beim Befüllen der Sandsäcke, um die maroden Elbdeiche zu sichern

 

Von Katrin Kunert, kommunalpolitische Sprecherin der Fraktion und Abgeordnete aus dem Wahlkreis Altmark in Sachsen-Anhalt

 

Wer hat schon einmal von Orten wie Sandauerholz oder Rosenhof aus meinem Wahlkreis gehört? Es sind die Orte, um die im Moment  am meisten gekämpft wird. Oder Fischbeck, hier brach ein Deich und das Wasser nimmt sich das Land. 130 Elbdeichkilometer sind derzeit in meinem Wahlkreis umkämpft. Das Hochwasser bringt nie dagewesene Höchstpegel und Gefahren in meine Heimat.

Erinnerungen werden wach, 2002 war es ähnlich. Menschen, die sich nicht kennen, arbeiten Hand in Hand an den Füllstationen, schippen Kies in tausende Sandsäcke. Menschen machen sich gegenseitig Mut. Und vor allem die jungen Leute strömen aus allen Richtungen der Altmark, aus Wolfsburg, dem Havelland, dem Jerichower Land oder aus Hessen, um zu helfen.

Die Feuerwehren, ausschließlich Freiwillige Feuerwehren aus meiner Heimat und Hilfe aus den Partnerstädten, das THW und die Bundeswehr arbeiten koordiniert und professionell zusammen.
Wenn ich morgens in die Füllstation nach Büttnershof nahe der Elbe fahre, hängen Transparen-te: "Danke für Eure Hilfe".

Mich berührt diese Hilfsbereitschaft. Aber dieses Aufbäumen der Menschen bringt auch die Fragen nach dem "Warum in diesem Ausmaß?" und "Warum wieder bei uns"? Die Deiche, die jetzt schlappmachen, sind alte und unsanierte Deiche. Die sanierten Deiche halten alle.

Das Land Sachsen-Anhalt hat in den vergangenen Jahren viel in den Hochwasserschutz investiert, aber es reicht nicht. Die Länder können in Zukunft nicht nach Kassenlage ihren Hochwasserschutz betreiben. Der Finanzminister hat schon jetzt signalisiert, die entstandenen Kosten nicht tragen zu können.

Viele kleine Orte sind evakuiert worden, der Landkreis Stendal ist durch die Elbe geteilt, was die Hilfe erschwert. Viele Bekannte und Freunde sind derzeit in Notunterkünften oder kämpfen gegen das Wasser östlich der Elbe. Ihr "Absaufen" bedeutet auf der anderen Seite der Elbe Entlastung.
Dennoch schippen tausende Helfer, um die Deiche zu stabilisieren.

Und noch etwas: Die Verantwortlichen sagen den Helferinnen und Helfern vor Ort nicht immer die ganze Bedrohung, die sich gerade unmittelbar am Deich abspielt. Das geht in Ordnung – denn auch das gehört zum professionellen Handeln.

Ich "schwänze" diese Sitzungswoche im Bundestag. Ich war 2002 dabei und ich will auch diesmal helfen! Außerdem ist meine Zugstrecke nach Berlin abgesoffen. Ich helfe nicht nur beim Sandsäckefüllen. Da auch Kitas Opfer der Fluten wurden, wird mein Wahlkreisbüro zur provisorischen Kinderbetreuungsstätte umfunktioniert . Ab Morgen gibt es eine Notbetreuung für Kinder. 

linksfraktion.de, 12. Juni 2013

Auch interessant