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Viele Zugewanderte arbeiten zu Niedriglöhnen

Nachricht von Sabine Zimmermann,

LINKE fordert bessere Arbeitsmarktchancen für Migrantinnen und Migranten

Ausländische Erwerbstätige arbeiten häufig zu Niedriglöhnen. Dies gilt in besonders dramatischer Weise für Erwerbstätige aus den osteuropäischen EU Mitgliedsländern. Das geht aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit für Sabine Zimmermann, Leiterin des Arbeitskreises Soziales, Gesundheit und Rente der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, hervor.

Von den Vollzeitbeschäftigten mit einer Staatsbürgerschaft der zehn osteuropäischen Mitgliedsländer arbeitete im Dezember 2012 mehr als jeder Zweite (53 Prozent) zu einem Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 1.926 Euro. Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten liegt gegenüber den deutschen Vollzeitbeschäftigten mehr als doppelt so hoch. Zu den Ländern gehören die EU-Mitglieder von 2004 Estland, Slowenien, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Tschechische Republik und Ungarn (EU8)  sowie die zwei EU-Neumitglieder von 2007 Bulgarien und Rumänien (EU2). Bei den sogenannten GIPS-Staaten aus dem krisengeschüttelten Südeuropa (EU4), zu denen Griechenland, Italien, Portugal und Spanien gehören, arbeitete mit 25,4 Prozent jeder vierte Vollzeitbeschäftigte zu einem Niedriglohn. Unter den Vollzeitbeschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit lag die Niedriglohnquote im Dezember 2012 „nur“ bei 19,7 Prozent.

Die häufige Niedriglohnbeschäftigung von Zugewanderten schlägt sich auch in der Aufstocker-Statistik nieder:  Die Gruppe der oben genannten Staatsangehörigen macht nur 2,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus (absolut: 845.485). Aber unter den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken, liegt ihr Anteil bei 5,4 Prozent.

„Es ist ein schlechtes Zeugnis für die deutsche Arbeitsmarktpolitik, wenn Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit systematisch schlechter gestellt sind. Migrantinnen und Migranten dürfen nicht benachteiligt und als billige Arbeitskräfte benutzt werden. Wir brauchen eine Debatte darüber, wie eine Gleichberechtigung aller hier lebenden Menschen erreicht werden kann – dies betrifft den Zugang zum Arbeitsmarkt ebenso wie eine diskriminierungsfreie Behandlung in der Erwerbsarbeit.“, erklärt Sabine  Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE.

Sie verweist darauf, dass die Ursachen für die Benachteiligung vielfältig sind. Sie reichen von einer zu geringen Bildung, über die mangelnde Anerkennung der im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse bis hin zu einer systematischen Diskriminierung und häufigen Beschäftigung in prekären Arbeitsverhältnissen. Hier müssten entsprechende Maßnahmen ansetzten.

Hintergrund

Der Anteil der Beschäftigten, die unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle arbeiten, wird aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit ermittelt. Die Auswertungen zum Entgelt finden immer nur zum Jahresende statt. Die Niedriglohnschwelle liegt bei 2/3 des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende).

In den zurückliegenden Jahren hat die Zahl der zuwanderten Beschäftigten nach Deutschland zugenommen. Nach einer aktuellen Information der Bundesagentur für Arbeit lag im November 2013 die Zahl der EU8-Beschäftigten bei 443.000.  Das waren 75.000 oder 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber April 2011 beträgt das Plus sogar 216.000 oder 95 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten aus Bulgarien und Rumänien nahm ebenfalls zu. Im November 2013 waren 148.000 Bulgaren und Rumänen beschäftigt, 29.000 oder 24 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Aus den sogenannten GIPS-Staaten (Griechenland, Portugal, Italien und Spanien) waren im November 2013 insgesamt 504.000 Personen in Deutschland beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 38.000 oder 8 Prozent.

Die Arbeitsmarktforschung gibt einige Rückschlüsse über die Ursachen für den hohen Anteil ausländischer Beschäftigter, die zu Niedriglöhnen arbeiten. Oft besteht das Problem in einer fehlenden oder nicht anerkannten Qualifikation. Zugleich gibt es jedoch auch eine systematische Schlechterstellung und Diskriminierung.

Ein Studie des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung aus dem Jahr 2009 (Ungenutze Potentiale): „Generell weisen Migranten bei gleicher Qualifikation höhere Erwerbslosenquoten als Einheimische auf. Und sie haben Probleme, Jobs zu bekommen, die ihrer Befähigung entsprechen. Ein ausländischer Pass erschwert die Arbeitsvermittlung weiter.“

Nach einer aktuellen Studie des DGB wird ein Drittel der ausländischen Beschäftigten unterhalb ihres Ausbildungsniveaus beschäftigt und muss dadurch Einkommenseinbußen von bis zu 40 Prozent in Kauf nehmen (DGB Arbeitsmarkt aktuell 2/2014 Unterwertige Beschäftigung).

Aus dem Integrationsreport des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2011: Migranten am Arbeitsmarkt in Deutschland) geht wiederum hervor, dass ausländische Beschäftigte häufiger als deutsche Beschäftigte in Niedriglohnsektoren wie dem Gastgewerbe oder der Land- und Forstwirtschaft tätig sind und verarbeitendes Gewerbe) tätig sind. Und: Erwerbstätige mit Migrationshintergrund sind häufiger von atypischen Beschäftigungsverhältnissen betroffen.
 

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