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Unterwegs mit dem Außenminister – für 3 Tage in Peking

Im Wortlaut von Lukrezia Jochimsen,

Tagebuch 1. Teil

Luc Jochimsen, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, hat Außenminister Westerwelle in der vergangenen Woche bei seiner Reise nach China begleitet, gemeinsam mit zwei Abgeordneten der SPD und der FDP. Während der Reise ist ein Tagebuch in drei Teilen entstanden, in dem sie über ihre Eindrücke während des Besuchs berichtet.

Erster Tag, 31. März 2011

Gegen 15.00 Uhr nachmittags kommen wir an. Vorfrühling in Peking. Kirschblütenbäume am Rand der Stadt Autobahnen, fast 24 Grad warm. Die Stadt ist schon wieder ins Immense gewachsen seit der letzten Visite 2006. Wir fahren durch 1000 Potsdamer Plätze, die Hochhäuser allerdings manchmal doppelt so hoch wie in Berlin.

Erste Station um 16.00 Uhr:

Das Haus des Nationalen Volkskongresses, Seitengebäude am Tiananmen Platz.

Gespräch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses MA Wenpu.

Wir: das sind Siegmund Ehrmann, SPD , Obmann im Kulturausschuss und Harald Leibrecht, FDP, Stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und ich.

Dazu Begleitung durch unsere Botschaft in Peking – weiblich übrigens.

Das übliche Zeremoniell: Marmorsaal mit Säulen und riesigen Landschaftsbildern, 2 Sessel vorn in der Mitte, dazwischen ein Blumentisch und Mikrophone, dahinter die Plätze für die Dolmetscher. Die Begrüßung überaus freundlich und die politische Brisanz kommt gleich mit den ersten Sätzen: endlich sei Deutschland, mit dem man ja schon in der Vergangenheit sehr gute Beziehungen gehabt habe, nun „ganz an der Seite Chinas“. Die Enthaltung im Sicherheitsrat in Sachen Libyen schaffe eine neue Qualität der Zusammenarbeit. Der Kollege Leibrecht versucht in seiner Antwort die Situation als doch „auch unterschiedlich“ zu beschreiben. Darüber wird aber lächelnd hinweggesehen. Kultur als „Brücke unserer Beziehung“ wird in diesem Gespräch ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ sei ein Meilenstein deutsch-chinesischen Gedankenaustausches.

Zwei Stunden später fahren wir zum „Stadion der Arbeiter“, das heute nicht mehr Fußballspiele wie früher beherbergt, sondern Pop-Konzerte und in dessen Arkaden nun Kunstgalerien, Boutiquen, Design-Läden eingezogen sind. An seiner Südseite gibt es einen kleinen See und an dessen Ufer steht ein Holzgebäude, Residenz eines reichen südchinesischen Händlers, das Balken für Balken abgetragen worden ist und nun hier als Luxus Restaurant dient. Treppenhäuser und Emporen mit reichverzierten Schnitzereien, jadegrüne Vorhänge, die die Räume als Sepaveés nutzen lassen. Ein hinreißend schöner Traditionsort. Hier treffen wir auf Einladung des Leiters der Kulturabteilung unserer Botschaft eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern. Ihr Metier ist ganz unterschiedlich: Malerei, Fotografie, Film, Literatur – aber ihre Biografien haben eine wichtige Gemeinsamkeit: sie sind Remigranten. Alle in den 60iger geboren, alle in den 70igern, 80iger Jahren an den angesehensten Instituten des Landes ausgebildet, alle dann in der Zeit von 1986-1989 nach Berlin gezogen, durch westliche Länder gereist und alle aber dann um 1996 bis 2000 wieder nach China zurückgekehrt…

Einige pendeln zwischen Europa, USA und China, stellen international aus, betonen aber, dass sie Chinesen sind, die China als ihre heutige Heimat ansehen oder wieder ansehen – nicht unkritisch aber loyal.

Die Beziehungen gerade zu Berlin sind so vielfältig, dass die Idee entsteht in Berlin eine große Ausstellung zu planen: Berlin-Peking-Berlin. So wie es Berlin-Moskau-Berlin gab. West-Ost-Kunst der heutigen Zeit und einen ganz neuen Blick ermöglichend auf den Austausch von Bildern, Ideen, Geschichten.

Das war ein Abend, der ganz neue Erfahrungen schuf. Wer wollte konnte anschließend noch die Jazz-Szene kennenlernen, im East Shore Live Jazzclub. Ich war allerdings dazu nicht mehr in der Lage.

 

Von Luc Jochimsen, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion

 

Teil 2 des Tagebuchs

Teil 3 des Tagebuchs

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