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Trend hält an: Immer mehr Beschäftigte haben Zweitjobs

Nachricht von Sabine Zimmermann,

Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen üben einen Zweitjob aus. Zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gehen sie einer Nebenbeschäftigung in Form eines Minijobs nach (geringfügig entlohnte Beschäftigung im Nebenjob). Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine entsprechende Anfrage der linken Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor.

Im Zeitraum von 2003 zu Ende 2012 hat sich demnach in Sachsen die Zahl der Beschäftigten mit Zweitjob mehr als verdoppelt, von 34.564 auf 72.795. (bundesweit von 1.157.517 im Jahr 2003 auf 2.657.969 Ende 2012) Aber auch im Vorjahresvergleich von 2011 zu Ende 2012 ergibt sich in Sachsen ein Anstieg von 5.962 bzw. um 8,92 Prozent. (bundeweit um 165.410, + 6,64 Prozent)
Ende 2012 übte bundesweit jeder elfte (9,1 Prozent) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Zweitjob aus. 2003 war es erst jeder 23te (4,3 Prozent).

Die Branchen, in denen überdurchschnittlich oft sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigte einen Minijob im Nebenjob ausüben, sind in Sachsen der Einzelhandel (8.865 Zweitjobber) und das Gastgewerbe (7.753). Aber auch im Wirtschaftsabschnitt „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ sind viele geringfügig entlohnte Beschäftigte im Nebenjob anzutreffen (10.469 Ende 2012). Unter diesen Sammelbegriff fallen Branchen wie Wach- und Sicherheitsdienste, Gebäudereinigung, Hausmeisterdienste und auch die Leiharbeitsbranche.
Bundesweit sind mit 426.107 im Bereich Handel die meisten Zweitjobber tätig, gefolgt von der „Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen“ mit 369.718. Darunter ist der größte Bereich die Gebäudereinigung, mit 214.117 Zweitjobbern. Auf dem dritten Platz befindet sich das Gastgewerbe mit 299.034.  

Überwiegend werden Zweitjobs von Frauen ausgeübt (Stand Ende 2012):
Sachsen: 44.454 Frauen, 28.341 Männer
Bundesweit: 1.526.782 Frauen, 1.131.187 Männer

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Sabine Zimmermann, erklärt zur deutlichen Zunahme von Zweitjobs in Sachsen: „Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus, so dass sie sich mit einem Minijob etwas dazu verdienen. Der überwiegende Teil der Zweitjobberinnen und Zweitjobber dürfte dies aus purer finanzieller Not tun und nicht freiwillig, wie manch einer mutmaßen mag. Diese Sichtweise ist zynisch und verkennt, dass die Betroffenen  zusätzlich zur anstrengenden Hauptbeschäftigung einem Nebenjob nachgehen.     

Das Vollzeitarbeitsverhältnis, aus dem man sein Leben bestreiten kann, wird immer weiter zurück gedrängt. Die drastische Zunahme von Zweitjobs ist ein absolutes Alarmzeichen, dass es um die Qualität von Beschäftigung immer schlechter bestellt ist. Dieser Entwicklung muss dringend Einhalt geboten werden. Der weiteren Prekarisierung des Arbeitsmarktes muss ein Riegel vorgeschoben werden. Im Vergleich zum bundesweiten Verdienstniveau ist der Niedriglohnsektor in Sachsen, wie allgemein in den neuen Bundesländern, besonders ausgeprägt.“

Zimmermann weiter: „Damit Arbeit wieder existenzsichernd wird, bedarf es eines Maßnahmenbündels, unter anderem endlich die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von 10 Euro die Stunde und die Abschaffung der systematischen Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit. Wir brauchen endlich wieder mehr fair entlohnte Vollzeitarbeitsplätze, von denen man auch leben kann. Es darf nicht zum Normalfall werden, dass Zweit- oder Drittjobs ausgeübt werden müssen, um sein Leben bestreiten zu können.“
 

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