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Soldaten bringen keine Sicherheit

Im Wortlaut von Paul Schäfer,

Anlässlich der Vortragsreise von Dr. Habibe Erfan, die am 28. Oktober 2010 vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss als Zeugin ausgesagt hat, erscheint an jedem Vortragstag ein neuer Artikel unserer Abgeordneten zum Thema Afghanistan. Die Reihe eröffnet Paul Schäfer, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Kundus-Untersuchungsausschuss.

Von Paul Schäfer

Bedrückendes aus der Lebensrealität der afghanischen Zivilbevölkerung berichtet die Provinzrätin Dr. Habibe Erfan: Die Korruption allgegenwärtig, die Sicherheitslage desolat, die Kriegsfolgen verheerend – besonders für Frauen und Kinder. Erfan, die nach dem Bombenangriff von Kundus zur Identifitierung der Opfer beitrug, ihre Familien besuchte und mit eigenen Nachforschungen die Behauptung der Bundesregierung widerlegte, sämtliche getöteten seien Taliban gewesen, sagte am Donnerstag vor dem Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestages aus und begibt sich nun auf Einladung der Fraktion DIE LINKE auf eine Vortragsreise durch Deutschland. Ihre Botschaften und Erklärungen machen wieder einmal deutlich: Die Bundeswehr trägt nicht dazu bei, die Probleme Afghanistans zu lösen.

Als Garant für Sicherheit, erklärt sie, würden die fremden Soldaten im Land schon lange nicht mehr gesehen – und der Unmut in der Bevölkerung wachse. Nicht verwunderlich: Allzu oft waren in Afghanistan auch NATO-Truppen für den Tod zwischen die Fronten geratener Zivilisten verantwortlich, allzu oft haben sie sich aus militärisch-taktischen Erwägungen mit dubiosen Kriegsherren verbündet.

Statt weiterer militärischer Eskalation, auch das wird schnell klar, ist in Afghanistan dringend ein Waffenstillstand geboten, in dessen Schutz ein innerafghanischer Verhandlungs- und Versöhnungsprozess angestoßen werden, die Zivilgesellschaft gestärkt und der Wiederaufbau  erneut begonnen werden kann. Zivile Projekte, die die Lebensbedingungen der Bevölkerung – und insbesondere der Kriegsopferfamilien – in den afghanischen Dörfern verbessern, stehen auch für Erfan weit oben auf der Tagesordnung. 

 

linksfraktion.de, 29.10.2010

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