Skip to main content

Sechs Fragen an Sabine Stüber

Im Wortlaut von Sabine Stüber,

35 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Sabine Stüber, 56, Diplomingenieurin für Landmaschinenbau aus Brandenburg

Sie sind jetzt Volksvertreterin. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

Die Arbeit als Projektmanagerin in einem Projekt in der Uckermark, das sich mit von Hartz IV betroffenen Personen und Nichtleistungsbeziehenden beschäftigte, hat mir deutlich die Auswirkungen der Arbeitsmarktreform 2010 gezeigt. Dafür zu arbeiten, solchen Menschen und den mitbetroffenen Familien wieder eine Perspektive zu geben, ist mir besonderer Ansporn für meine Tätigkeit im Bundestag, in meiner Fraktion, aber auch im Wahlkreis vor Ort. Ich denke, dass man da nicht nur im »hohen Haus« sondern auch vor Ort viel leisten kann.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

Für mich ist das Wichtigste, in Frieden zu leben. Und ich bin froh, dass wir uns als DIE LINKE so konsequent für Frieden und gegen Krieg und Kriegseinsätze in der ganzen Welt einsetzen. Aber wir leben in einer Welt, in der täglich Menschen in Kriegen sterben. Deshalb müssen die Menschen aufgeklärt werden über wirkliche Ursachen und Auswirkungen von Kriegen und bestärkt werden, für Frieden, aber auch gegen Sozialabbau auf die Straße zu gehen. Ich werde dafür aktiv Aktionen, insbesondere in meinem Wahlkreis, unterstützen.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarierin erleichtern?

Ich war 13 Jahre lang Kreistagsabgeordnete im Barnim und bin seit Februar 2008 Stadtverordnete in Eberswalde. Außerdem war ich acht Jahre lang Sprecherin des frauenpolitischen Rates Land Brandenburg, der überparteilich und überkonfessionell die Interessen der Frauen gegenüber Parlamenten, Regierungen, Verwaltungen und anderen Organisationen vertritt. Das übte ungemein, und ich habe gelernt, mit politischen Gegnern sachlich umzugehen. Diese Erfahrungen werden sicher im Bundestag hilfreich sein.

Was würden Sie in ihrer ersten Bundestagsrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Ich würde ihr vorschlagen, mit mir nach Prenzlau oder Eberswalde zu fahren und sich im Amt zur Grundsicherung bzw. beim Job-Center beraten zu lassen, welche Chancen sie als über Fünfzigjährige noch hätte, an welchen Evaluierungsmaßnahmen sie teilnehmen müsste und was sie dann noch tun kann, um wieder auf dem 1. Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß zu fassen. Vielleicht würde ihr das helfen zu verstehen, wie Politik bei den Menschen im Land ankommt. Die Art und Weise der Behandlung bei der Antragstellung von Hartz-IV-Leistungen würde ich ihr ja ersparen, aber es wäre sicher eine einprägende Erfahrung für sie.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung zu verlieren?

Ich könnte jetzt sagen, ich fliege gern, Aber ich habe so viele Menschen in meiner Nähe, die mir bislang schon sehr deutlich sagten, wo es in der Region brennt, was sie von mir erwarten und wie ich mit ihrer Unterstützung rechnen kann - sowohl aus fachlicher Sicht als auch moralisch. Ja und ich schätze die Mitglieder der Fraktion sind auch ein fester Anker, um nicht abzuheben. Außerdem kann ich mich auf meine Familie, mein Freunde und vor allem auf meinen Lebenspartner verlassen, und ich will ja meine anderen Ehrenämter weiter ausüben. Das alles hilft bestimmt.

Alle Abgeordneten der LINKEN spenden bisher Ihre Diätenerhöhung. Wofür wollen Sie sich persönlich besonders engagieren?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das für mich eine schwierige Frage. Ich bin Mitglied in einem Verein, der hier das Frauenhaus betreibt. Da herrscht oft Ebbe in der Kasse. Das wäre eine Möglichkeit. Außerdem würde ich gern die Arbeit der Selbsthilfegruppe Kontakt unterstützen, die sich um die Integration deutscher Spätaussiedler/innen und deren Familien kümmert.

Auch interessant