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Sechs Fragen an Heidrun Dittrich

Im Wortlaut von Heidrun Dittrich,

35 der 76 Abgeordneten, die DIE LINKE im 17. Bundestag stellt, sind neu gewählte Mitglieder des Parlaments. Welche Erwartungen haben sie? Was haben sie vor? linksfraktion.de fragt nach.


Heidrun Dittrich, 51, Sozialwissenschaftlerin, Sozialarbeiterin aus Niedersachsen

Sie sind jetzt Volksvertreterin. Wie wollen Sie die Interessen der Menschen vertreten?

Auch im Bundestag entstehen politische Entscheidungen nicht im luftleeren Raum. Sie sind vor allem abhängig von den gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen. Daher will ich neben einer konsequenten und fundierten Oppositionspolitik gegen Schwarz-Gelb vor allem versuchen, Menschen zu ermutigen, für ihre Interessen selbst aktiv zu werden. Gemeinsam mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen wollen wir die Verhältnisse zugunsten einer sozial gerechten Gesellschaft verändern.

Wie wollen Sie konkret den Widerstand gegen Sozialabbau und Krieg stärken?

Um die Rahmenbedingungen für künftige Kämpfe zu verbessern, wollen wir in Hannover gemeinsam mit Aktiven aus Betrieben und sozialen Bewegungen, Gewerkschaftern, Erwerbslosen und Studierenden ein Anti-Krisen-Netzwerk gründen. So wollen wir ein schlagkräftiges Bündnis aufbauen, denn Proteste gegen Lohn-, Bildungs- und Sozialabbau und für eine bessere Zukunft können nur erfolgreich sein, wenn sie besser vernetzt und gebündelt werden.

Welche persönlichen Erfahrungen können Ihnen den Start als Parlamentarierin erleichtern?

Als Sozialarbeiterin habe ich viele Lebensgeschichten kennengelernt und weiß um die Sorgen der Familien, die ums finanzielle Überleben kämpfen müssen. Ihre Interessen werde ich konsequent vertreten. Seit 30 Jahren bin ich Gewerkschaftsmitglied und halte die Verbindung zu den Erwerbsloseninitiativen. Als Mutter habe ich eine Krabbelgruppe und einen Hort mit anderen engagierten Eltern gegründet. Zudem hat mir meine Tätigkeit in Bürgerinitiativen und als aktive Gewerkschafterin im Betrieb viele wichtige Erfahrungen gebracht.

Was würden Sie in ihrer ersten Bundestagsrede der Kanzlerin gern einmal sagen?

Dass die Mehrheit der Bevölkerung zentrale Projekte der Regierung ablehnt. Und Ich würde Frau Merkel sagen, dass sie mit einem schwarz-gelben Angriff auf die Lebensbedingungen aller Menschen, die ihre Einkünfte aus Erwerbsarbeit, Renten und Arbeitslosenunterstützung beziehen, auf einen breiten gesellschaftlichen Widerstand stoßen wird. Zudem würde ich kritisieren, dass die Interessen der alleinerziehenden Frauen und vor allem der Migrantinnen in der herrschenden Politik keine Rolle spielen.

Wie wollen Sie sich davor schützen, im Raumschiff Bundestag die Bodenhaftung zu verlieren?

Aus der Unterstützung, die ich von meiner Familie, meinen FreundInnen und GenossInnen erfahre, ziehe ich viel Kraft. Meine Verankerung in Hannover und in sozialen Bewegungen sowie der Austausch mit KollegInnen in den Betrieben wird mir helfen, gemeinsam mit den anderen Abgeordneten der LINKEN die Regierung zum umsteuern und zur Landung zu zwingen. Denn auch auf Raumschiffen brauchen wir Widerstand, wenn das Schiff unsozial geführt wird und an den Menschen vorbeifliegt, für die es gebaut wurde.

Alle Abgeordneten der LINKEN spenden bisher ihre Diätenerhöhung. Wofür wollen Sie sich persönlich besonders engagieren?

Für Frauen- und Mädchenhäuser und für staatsbürgerliche Rechte von Migrantinnen und Migranten. Ich setze mich für die Selbstbestimmung aller Frauen und die Abschaffung des Paragraphen 218 im Strafgesetzbuch ein, der die Abtreibung unter Strafe stellt.

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