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Raubzüge der Industrieländer und Profitgier der Konzerne fordern Jahr für Jahr 12,6 Millionen Menschenleben

Im Wortlaut von Ralph Lenkert,

UN-Weltgesundheitsorganisation WHO: 23 Prozent aller Todesfälle weltweit durch ungesunde Umwelt

 

Von Ralph Lenkert, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Zu den schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen 40 Jahre zählt das Erdbeben im indischen Ozean vom Dezember 2004. Ein Tsunami verwüstete tausende Kilometer Küsten in Südostasien und forderte über 220.000 Menschenleben. Dieses tragische und schockierende Ereignis sorgte weltweit für Anteilnahme und löste eine Vielzahl humanitärer Hilfsaktionen aus. Solche Katastrophen werden sich nie komplett verhindern lassen. Aber es findet, von der Weltöffentlichkeit nahezu unbemerkt, eine menschgemachte permanente Katastrophe statt, die sich wohl verhindern ließe. Das 55-fache an Menschenleben, die der Tsunami von 2004 forderte, fällt Jahr für Jahr den Folgen von Umweltverschmutzung und Naturzerstörung zum Opfer.

12,6 Millionen Menschen sterben weltweit jährlich an den direkten und indirekten Folgen, die von Luftverschmutzung, unsauberem Trinkwasser, Vermüllung, Umweltgiften, UV-Strahlung, Klimawandel, Passivrauchen, Lärm, Pestiziden und ähnlichem ausgehen. Diese erschreckende Zahl macht der aktuelle Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO „Prävention von Krankheiten durch eine gesunde Umwelt“ öffentlich. Darunter sind 1,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren, die jährlich sterben – aber nicht an Hunger, sondern an den Folgen von menschengemachter Umweltverschmutzung.

Hauptursache ist Luftverschmutzung. Dabei ist aber nicht nur an chinesische Großstädte zu denken. Es ist ein globales Mantra, wenn es um die Frage geht, wo die hauptsächlich Leidtragenden angesiedelt sind: Es sind wieder die Länder des globalen Südens – also Entwicklungsländer oder sogenannte Schwellenländer in Afrika, Südostasien und Lateinamerika.

Fehlende Umweltstandards bei den Raubzügen der Industrieländer nach billigen oder seltenen Ressourcen, unterdrückte Infrastrukturentwicklungen, patentrechtliche Winkelzüge der Pharmaindustrien, die den Staaten eine eigene Gesundheitsvorsorge unmöglich machen. Solche Beispiele dokumentieren, wo unbestreitbar die Verursacher der Katastrophe auszumachen sind. Es ist die Profitgier von Konzernen und das Credo des ungehemmten Wirtschaftswachstums. Sie werden durch bestehende Freihandelsabkommen gestärkt. Zukünftige Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA, die Profit auch in Europa mehr und mehr über Umweltstandards stellen, werden das Problem verschärfen.

Die Frage nach weltweitem Umweltschutz, nach Luftreinhaltung, nach Verbesserung der Gesundheitsvorsorge, nach besseren Lebensbedingungen, nach Bekämpfung der globalen sozialen Ungerechtigkeit und damit die Frage nach Frieden stellt sich. Und sie ist vor allem die unbequeme Frage nach unserer eigenen Lebensweise und politischen Verfasstheit in den Industrienationen. Wer billig kauft oder billig kaufen muss, lässt immer andere bezahlen. Billigangebote werden mit Leben bezahlt.

Die WHO empfiehlt, weltweit vermehrt auf saubere Energien zu setzen. Gleichwohl lässt sie offen, was sie darunter versteht. Untersuchungen zu Auswirkungen der weltweit gestiegenen Hintergrundstrahlung durch Atomwaffentests, durch Reaktorunfälle wie in Fukushima und Tschernobyl, durch Uranbergbau und durch Bergbau generell sucht man im Bericht leider vergebens. Die WHO darf per Resolution seit 1959 nämlich keine Untersuchungen im Bereich der Atomenergie durchführen, ohne die internationale Atomenergieorganisation IAEO um Erlaubnis zu fragen und mit ihr Einvernehmen herzustellen. Welchen Anteil die IAEO an der globalen Katastrophe zu verantworten hat, bleibt daher leider unbekannt.

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