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Plan B ist Güteklasse A

Im Wortlaut,


Sichtlich Spaß haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hier in einem der Workshops der Konferenz


Von Thomas Feske

Denkanstöße sollte die Konferenz zum sozial-ökologischen Wandel, zu der die Bundestagsfraktion DIE LINKE am 26. und 27. Oktober geladen hatte, geben. Die Linksfraktion, Initiatorin des Projekts „Plan B – das rote Projekt für einen sozial-ökologischen Umbau“, versteht ihre Initiative als Einladung zur Debatte.

Dieser Einladung folgten am Freitag und Samstag zahlreiche Interessierte aus verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. In Angesicht eklatanter Umweltbelastungen überall auf der Erde, sich zuspitzender Lebensmittel- und Ressourcenknappheit, zugleich steigender Energiepreise und der Tatsache, dass sich immer mehr Menschen weder alltägliche Lebensmittel, noch eine durchgängige Stromversorgung leisten können, sollte das große Interesse an der Verbindung sozialer Gerechtigkeit mit einer ökologisch schonenden Produktions- und Lebensweise kaum verwunderlich sein.

Dennoch war bemerkenswert, wie viele Menschen sich gleich zum Auftakt im Berliner Veranstaltungsort Pfefferberg einfanden. Schon während der Einführung durch den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Gregor Gysi war der große Saal so voll, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Saalwände gelehnt und vor dem Saal den ersten Worten folgen mussten und wollten. Sie alle eint die Erkenntnis, dass, wie Gregor Gysi feststellte, ein Plan B schon deshalb notwendig sei, weil der Plan A, also die kapitalistische Produktionsweise und Verwertungslogik, gescheitert sei – als unsoziales Projekt, das die Demokratie gefährdet und zur Zerstörung der Lebensgrundlage von allem führt.

Drei Flügel machen ordentlich Wind: Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Ökologie

Viele der Teilnehmer trugen ein Windrad mit sich, dass die Idee des Plan B am besten symbolisiert. Soziale Gerechtigkeit und Ökologie können als gesellschaftliche Vision erst dann richtig Wind machen, wenn sie um einen dritten Flügel, nämlich die demokratische Mitbestimmung, ergänzt werden.

Ganz in diesem Sinne verstand sich die Konferenz nicht nur als inhaltliche, sondern auch als methodische Alternative. Monate zuvor luden die Macher des Plan B vor allem über die Internetplattform Facebook zur Diskussion über eine neue gesellschaftliche Vision. Woche für Woche wurde die Internetgemeinde nicht mit fertigen Antworten, sondern mit entscheidenden gesellschaftlichen Fragen konfrontiert:  „Ist eine kostenlose Basisversorgung mit Strom sinnvoll, um Energiearmut zu verhindern?“ Oder: „Wie schnell können wir parallel zum “Atomausstieg” aus der Kohleverstromung aussteigen?“ Oder: „Soll der gesamte öffentliche Personenverkehr durch öffentliche Unternehmen durchgeführt werden?“ Darüber hinaus konnten Userinnen und User das Konferenzprogramm mitbestimmen.

Viel Raum für persönliche Visionen

Der Aufwand lohnte: Das erkennbare Interesse der Bundestagsfraktion, Betroffenen und Experten zuzuhören, sorgte für eine streitbare, angenehm offene Atmosphäre und für ein buntes Konferenzpublikum. Viele Teilnehmer brachten ihren ganz persönlichen Plan B in die Debatte: Wie etwa Kathrin Linsler, die am Berliner Wassertisch für eine Rekommunalisierung der Berliner Energiewirtschaft kämpft und dem Megakonzern Vattenfall die Entscheidung über Berliner Energiepreise und Energieversorgung entziehen will, um sie in gesellschaftliche Hände zu übergeben. Heike Aghte von der Europäischen Gesellschaft für Entschleunigung wiederum setzt sich europaweit für 30er-Zonen innerorts ein, um Emissionen zu senken und Fußgängern und Radfahrern die Straße zurückzugeben. Peter Engert kam mit nicht weniger als dem Wunsch nach Aussöhnung zwischen Natur und Mensch zur Konferenz. Ihn erwartete das Angebot, in zahlreichen Workshops über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren. In einem so genannten World Café schließlich notierten die Teilnehmer ihre persönlichen Visionen auf Tischdecken. Die wurden aufgehängt und fotografiert; an ihnen ist, wenngleich kreuz und quer beschrieben, doch eine klare Vision erkennbar: ein ökologischer Wandel, der Umwelt und Ressourcen schont, Armut verhindert, Arbeit schafft und dabei auf das Engagement der Menschen baut.

linksfraktion.de, 28. Oktober 2012