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»Nazi, Nazi, Nazi!«

Nachricht von Gesine Lötzsch,

Nach der Verleihung: Gesine Lötzsch (m.) mit Serge und Beate Klarsfeld

 

Am Montag erhielten Beate und Serge Klarsfeld das Bundesverdienstkreuz in Paris von der deutschen Botschafterin überreicht. Gesine Lötzsch gratulierte im Namen unserer Fraktion den Klarsfelds. In ihrer Rede in der Residenz der Botschafterin sagte sie: „Beate und Serge Klarsfeld haben einen unschätzbaren Beitrag zur Aussöhnung und zur Verständigung der beiden Völker geleistet.“

Während des CDU-Parteitags in Berlin am 7. November 1968 bestieg Beate Klarsfeld das Podium, ohrfeigte Kiesinger und rief: „Nazi, Nazi, Nazi!“ Sie wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Beate sagte zu dieser Aktion: „Das war natürlich eine symbolische Tat. Ein Symbol für die Haltung der jungen Generation gegenüber der Nazigeneration. Ich bin seitdem unentwegt politisch aktiv gewesen, aber diese Ohrfeige ist tatsächlich das, was in die Geschichte und die Schulbücher eingegangen ist.“

1971 spürten Beate und ihr Mann Serge den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Lischka auf, der für die Deportation von 76.000 Juden verantwortlich war und auf dessen Anweisung tausende Menschen in Paris erschossen wurden. Der Mann lebte unbehelligt und wohlsituiert mitten in Köln. Beate und Serge empfanden es empörend, dass Lischka nach wie vor auf freiem Fuß lebte. Nach einem gescheiterten Entführungsversuch kam schließlich Bewegung auch in diesen Fall. Beate sieht vor allem die große Demonstration in Köln, an der viele Kinder deportierter Juden teilnahmen, als letztlich entscheidende Wendung an. Dieser öffentliche Druck führte schließlich dazu, dass Lischka zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Klarsfelds haben mit detaillierten Dokumentationen auf zahlreiche unbehelligt lebende nationalsozialistische Täter hingewiesen, wie Alois Brunner, Klaus Barbie, Ernst Ehlers und Kurt Asche. Mit ihrer politischen Aktivität machten sich die Klarsfelds natürlich nicht nur Freunde. Im Jahr 1972 bekamen sie mit der Post eine Paketbombe geschickt. Sieben Jahre später explodierte ihr Auto. Zum Glück hatte sie keine Verletzungen erlitten.

Im Jahr 2009 wurde Beate Klarsfeld von unserer Fraktion für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Das von Bundesaußenminister Westerwelle (FDP) geleitete Auswärtige Amt, das für die Verleihung an im Ausland lebende deutsche Staatsangehörige zuständig ist, lehnte ab. Auch in der Amtszeit von Fischer (Grüne) als Außenminister war die Verleihung schon einmal abgelehnt worden. 2012 war Beate unsere Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin.

Jetzt haben die Klarsfelds auf Vorschlag der LINKEN das Bundesverdienstkreuz bekommen. Damit wird endlich die Lebensleistung des Ehepaars Klarsfeld auch in Deutschland anerkannt. Es wird Zeit, dass nicht nur die Ohrfeige in Erinnerung bleibt, sondern auch, dass die Klarsfelds die bundesdeutsche Justiz zwingen musste, Nazi-Kriegsverbrechern zu verfolgen.

linksfraktion.de, 21. Juli 2015