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Mehr Barrierefreiheit an den Rheintalbahn-Bahnhöfen!

Im Wortlaut von Karin Binder,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.


Achtung Lärm: Karin Binder (3.v.l) und BegleiterInnen halten sich die Ohren zu.  



Ich war erneut auf der Rheintalbahn unterwegs. Diesmal standen nicht der Ausbau der Strecke im Vordergrund, sondern die bestehenden Bahnhöfe. Mit VertreterInnen örtlicher Bürgerinitiativen, des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden und interessierten Bürgern nahm ich den Zustand einiger Bahnhöfe entlang der Strecke ins Visier. 

  Behindertengerecht ist auf dieser Strecke keiner dieser kleineren Bahnhöfe, zum Beispiel in Lahr, Riegel oder Herbolzheim. Barrierefreiheit wird von der Bahn kleingeschrieben: keine taktilen Rillen, die mit dem Blindenstock wahrnehmbar wären; kein Bahnpersonal als Ansprechpartner; keine Durchsagen; keine barrierefreien Gleisübergänge. Für Behinderte, Familien und ältere oder gebrechliche Menschen sind diese Bahnhöfe ohne Hilfe kaum nutzbar. Noch schlimmer: Für einen barrierefreien Gleiswechsel - auf den Rollstuhlfahrer angewiesen sind - müssen teilweise abenteuerliche Umwege gefahren werden. Gleichzeitig ist an den Bahnsteigen kein Servicepersonal mehr zu finden.    Von den Gesprächspartnern vor Ort wurde vielfach berichtet, dass Umbaumaßnahmen seitens der Bahn noch nicht oder erst in zwei bis drei Jahren geplant seien. Für viele Menschen ist das eine ungeheuerliche Belastung. Oder der Grund, die Bahn als Verkehrsmittel nicht zu nutzen.    Lediglich am Offenburger Bahnhof hat die Bahn sich um Barrierefreiheit bemüht, wenn auch noch mit kleinen Schwächen. Diese wären nach Anhörung von Betroffenen schnell zu beheben: nicht graue, sondern kontrastreiche weiße taktile Linien im ganzen Bahnhof, auch in der Eingangshalle, und eine Hinweistafel am Eingang, die auf den barrierefreien Weg zu den Gleisen hinweist! Das wären hilfreiche Verbesserungen. Das zeigt deutlich, dass eine frühzeitige Einbindung von Betroffenen Sinn macht.   Auch die Fragen nach Sicherheit für die Fahrgäste konnten nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Äußerst mangelhaft sind oft viel zu schmale Bahnsteige an diesen kleinen Bahnhöfen, durch die täglich mehrere hundert Güterzüge rasen. Mit 80 bis 210 km/h erzeugen gerade die Güterzüge einen Sog und Verwirbelungen, denen ein Kind mit Schulranzen oder ein älterer Mensch mit Gehhilfe kaum Stand hält. Die zwischen Sicherheitslinie und Treppenabgang nur noch 50 cm breiten Steh- und Gehflächen sind für Wartende viel zu schmal und bergen die Gefahr, unvermittelt um- oder mitgerissen zu werden. Auch hier muss viel geschehen und nicht erst wenn das 3. und 4. Gleis gebaut sind.   Fazit der zweiten Rheintalbahntour: Alle Menschen in der Region haben Anspruch auf einen ordentlichen ÖPNV im Rheintal. Barrierefreiheit in einer älter werdenden Gesellschaft und mehr Sicherheit sind als verbindliche Standards zu gewährleisten. Der Güterverkehr auf der Rheintalbahn muss weg von den Ortschaften auf das neu zu bauende 3. und 4. Gleis. Die AnwohnerInnen müssen vom ohrenbetäubenden Lärm an der Strecke befreit werden. Durchfahrende Güterzüge dürfen nicht länger zur Gefahr für Menschen auf den Bahnsteigen werden. Die Bundestagfraktion wird weiterhin darauf drängen, die Menschen bereits in die Anfangsplanungen besser einzubinden.   Der menschen- und umweltfreundliche Ausbau der Rheintalbahn ist ein erklärtes Ziel für DIE LINKE. Dazu gehören dringende Sanierungsmaßnahmen an den vielen kleinen Bahnhöfen entlang der Strecke. Dieses Anliegen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit in der Region.   Von Karin Binder

linksfraktion.de, 4. August 2011

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