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Linkspartei fordert Künast zur Entschuldigung auf

Im Wortlaut von Heike Hänsel,

Die rhetorischen Angriffe von Renate Künast im Bundestag auf die afghanische Politikerin Malalai Joya bereiten der Grünen-Politikerin Ärger. Eine Abgeordnete der Linken fordert eine Entschuldigung der Fraktionschefin.

Berlin - Heike Hänsel, Bundestagsabgeordnete der Linken, hat Renate Künast einen offenen Brief geschrieben. Darin verlangt sie von der prominenten Grünen, "sich für Ihre Entgleisung öffentlich zu entschuldigen". Künast besorge mit ihren Äußerungen "das Geschäft der Fundamentalisten, die Frau Joya zum Schweigen bringen wollen", und liefere ihnen "Vorwände für neue Angriffe".

Künast hatte Joya in der Debatte um den Bundeswehreinsatz vorvergangenen Freitag als "zweifelhafte Kronzeugin" gegen den Sinn des deutschen Mandats bezeichnet, die sich "vor Ort selber ins Off katapultiert hat".

Joya war im Mai dieses Jahres für den Rest der Legislaturperiode aus dem Parlament in Afghanistan als Abgeordnete ausgeschlossen worden, nachdem sie die Warlords in der Volksvertretung mit Eseln verglichen hatte. Joya, auf die bereits mehrfach Mordanschläge verübt wurden, ist nominiert für den Sacharow-Menschenrechtspreis des EU-Parlamentes, sie hat im Oktober wegen ihres Engagements für Frauenrechte in Afghanistan auch die Ehrenbürgerschaft in mehreren Städten Italiens erhalten.

In Deutschland war Joya auf Einladung der Fraktion "Die Linke". Künast hatte Freitag vor einer Woche im Bundestag weiter ausgeführt, viele weibliche Abgeordnete in Kabul betrachteten mit "tiefem Entsetzen", wie die Militär-Gegnerin Joya von der Linkspartei instrumentalisiert werde. Eine erste Reaktion der Linksfraktion folgte prompt: Künasts Behauptung sei ein "Unding", sie brauche nach dieser Rede Frauenrechte in Afghanistan nicht mehr anzusprechen. Künast wiederholte ungerührt ihren Vorwurf.

Von Markus Deggerich

Spiegel Online, 20. Oktober 2007

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