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Krisensichere Ausbildung

Nachricht von Birke Bull-Bischoff,

Die Corona-Pandemie bedroht auch die Ausbildung. Hunderttausende Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet, viele werden in die Insolvenz gehen. Die Leidtragenden sind hierbei auch die Auszubildenden. Sie müssen nun fürchten, dass ihre Ausbildung vorzeitig abgebrochen wird und sie ausbildungslos bleiben. Der Druck auf den ohnehin schon seit Jahren angespannten Ausbildungsmarkt wird weiter steigen. Junge Menschen, die nach der Schule eine Ausbildung beginnen wollen, werden mit Auszubildenden, deren Betrieb die Krise nicht überstanden hat, um die wenigen Ausbildungskapazitäten konkurrieren.

Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres zeigt sich, dass trotz des Ausbildungsbonus längst nicht alle Betriebe, die ausbilden könnten, dies auch tun. Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE kommentiert: »In diesem Jahr stehen wieder zahlreiche Jugendliche ohne Ausbildungsplatz da und werden im Übergangssystem geparkt. Damit muss Schluss sein!« 

Der Anteil der Betriebe, die ausbilden, ist im vergangenen Jahr nochmals gesunken und liegt nun bei 19,7 Prozent. Es bildet also weniger als ein Fünftel der Unternehmen aus. Es wird deutlich, dass die Corona-Krise auf bereits lang bestehende massive Probleme auf dem Ausbildungsmarkt trifft und hier wie ein Brandbeschleuniger zu wirken droht. Eine Konsequenz aus der derzeitigen Situation muss daher sein, eine solidarische Umlagefinanzierung von Ausbildungsplätzen einzuführen, um die Ausbildungskapazitäten zu stärken, den Ausbildungsmarkt krisensicherer zu machen und die Lasten fair zu verteilen.

Politik und Wirtschaft sind aufgefordert, jetzt alles dafür zu tun, eine Ausbildungskatastrophe abzuwenden. Es wäre unverantwortlich, die jungen Menschen in der Krise allein zu lassen und damit ihre Chancen auf gute Arbeit durch gute Ausbildung zu verbauen. Es muss zudem verhindert werden, dass die Krise dazu genutzt wird, hart erkämpfte Schutzrechte für Auszubildende zugunsten von Arbeitgebern zu minimieren und damit die Ausbildungsbedingungen dauerhaft zu verschlechtern.

»Denen, die einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg!«, Bull-Bischoff weiter. »Es ist gerade jetzt notwendig, die Schutzrechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Azubis zu stärken und die Ausbildungsqualität zu verbessern. Wir fordern daher einheitliche Qualitätsstandards, gebührenfreie Lernmittel, ein bundesweites Azubi-Ticket und nicht zuletzt eine armutsfeste Ausbildungsvergütung!«

Unser Antrag: Auszubildende in der Krise nicht vergessen – Ausbildungskatastrophe abwenden