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Jung, befristet, niedrig entlohnt, verliehen, durchschnittlich 135 Euro ALG II – das ist Armut per Gesetz!

Nachricht von Yvonne Ploetz,

Keine Altersgruppe leidet in Deutschland stärker unter Armut als Jugendliche. Jeder fünfte Jugendliche ist arm. Die Jugendarmutsquote hat sich bei rund 20 Prozent verfestigt (unter 18 Jahre 18,9 Prozent, 18 bis unter 25 Jahren 23,4 Prozent Armutsrisikoquote). Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage "Situation Jugendlicher und junger Erwachsener zu Beginn des Erwerbslebens" von Yvonne Ploetz hervor.

"Gerade im Bereich der finanziellen Unterstützung offenbart die Drucksache erschreckende Defizite", erklärt Yvonne Ploetz. "Unter 25-Jährige bekommen durchschnittlich 135 Euro Arbeitslosengeld. Das ist nicht nur viel zu wenig, es ist seit 2007 auch noch um einen Euro gesunken – trotz gestiegener Lebenshaltungskosten." So lag die durchschnittliche Leistungshöhe beim Bezug von ALG II inklusive Kosten für Unterkunft und Heizung beziehungsweise weiterer Leistungsansprüche im Dezember 2011 bei 338 Euro. Nicht viel besser sah es bei der Höhe des  Arbeitslosengelds I aus. Die durchschnittliche Leistungshöhe lag im Jahr 2011 bei 499 Euro in 2011, Schlusslicht war das Saarland mit durchschnittlich 463 Euro. Frauen erhielten mit 466 Euro durchschnittlich weit weniger als Männer mit 524 Euro. Auch hier ist das Saarland Schlusslicht mit 423 Euro bei Frauen. 

"Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse besonders bei jungen Erwerbstätigen macht sich natürlich auf den Leistungsbezug von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II", sagt Yvonne Ploetz. Zudem sei die Situation am Arbeitsmarkt alles andere als rosig (BT- Drs. 17/9679): "Der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse und die Zunahme im Niedriglohnsektor führen dazu, dass geringere Ansprüche erworben werden", sp Yvonne Ploetz weiter. "Während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung insgesamt im Zeitraum von 2000 bis 2010 um 0,2 Prozent zugenommen hat, haben sich die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse für die 15 bis unter 25-Jährigen im gleichen Zeitraum um 13,2 Prozent verringert." Zudem sei die Niedriglohnbeschäftigung bei Jugendlichen wesentlich weiter verbreitet als bei den Beschäftigten insgesamt. 48,6 Prozent aller 15 bis unter 25-Jährigen waren 2010 im Niedriglohnsektor beschäftigt. Zugenommen hat auch die befristete Beschäftigung von Jüngeren. Sie ist seit 2000 um 25 Prozent von 788.000 auf 985.000 gestiegen. Bei jungen Frauen lag die Steigerung sogar bei 76 Prozent. Die Anzahl der Beschäftigten im Bereich der Leiharbeit hat sich in der Altersgruppe verdoppelt. Im Jahr 2000 waren es 68.770 und im Jahr 2010 130.896.

"Doch sollten denn nicht auch Jugendliche fair bezahlt werden und ohne ständige Angst vor Armut lernen und leben können?", fragt Yvonne Ploetz. "Soll es etwa normal sein, dass man in jungen Jahren ständig in Existenznot gerät? Wie sollen junge Menschen unter solchen Bedingungen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und den Weg in ein unabhängiges Erwachsenenleben finden können? Was wir im Jahr 2013 endlich brauchen, ist eine jugendpolitische Kurskorrektur in Deutschland. Eine Enquete-Kommission muss gleich nach der Bundestagswahl einberufen werden!“

linksfraktion.de,  9. Januar 2013

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