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»Frauen helfen Frauen«

Im Wortlaut von Niema Movassat,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Niema Movassat im Frauenhaus des Vereins »Frauen helfen Frauen« in Oberhausen

Jede vierte Frau erlebt mindestens einmal in der Ehe Gewalt. Eine erschreckend hohe Zahl. Für viele Frauen bleibt nur die Flucht. Oft von heute auf morgen, nur mit einem spärlich gepackten Koffer und dem Kind auf dem Arm. Man lässt alles hinter sich, versteckt sich, aus Angst vor dem bisherigen Partner. Vor kurzem habe ich das Oberhausener Frauenhaus besucht, das vom Verein »Frauen helfen Frauen« betrieben wird und Frauen seit 1979 Zuflucht vor häuslicher Gewalt bietet.

Es war eines der ersten 12 Frauenhäuser in NRW. Zwischenzeitlich wurden die ersten Räumlichkeiten zu klein, so dass 1981 der Umzug erfolgte. Insgesamt gibt es Platz für etwa 14 Frauen in den sieben Schlafzimmern. Allerdings reicht der Platz mittlerweile nicht mehr aus. Insbesondere weil Frauenhäuser akzeptierter und bekannter als Zufluchtsstätte für Frauen geworden sind. Dies erweitert auch den Personenkreis, der hierhin kommt. Waren es früher ausschließlich Frauen, die in der Ehe unter Gewalt durch den Partner litten, sind es jetzt auch junge Frauen, die vor elterlicher Gewalt fliehen oder vor Zwangsverheiratungen. Die Suche nach neuen Räumlichkeiten indes stellt sich nicht einfach dar. Schließlich ist das Geld knapp, wie so oft bei sozialen Einrichtungen, die von freiwilligen Leistungen von Kommune und Land abhängig sind.

Denn die Finanzierung der Frauenhäuser ist ein großes Problem. Seit 2005 ist die Zahl bundesweit von 400 auf 360 gesunken - obwohl der Bedarf vorhanden ist. Aber Länder und Kommunen stehlen sich bei dieser sogenannten »freiwilligen Leistung« immer häufiger aus der Finanzierung. So ließ die Regierung Rüttgers 2006 den Landeszuschuss um 30 Prozent kürzen. Im Oberhausener Frauenhaus kostete das eine ganze Stelle. Dank der Stadt wurde dies teilweise wieder aufgefangen. Aber eine gesicherte Finanzierung sieht anders aus.

Dazu kommen die bürokratischen Hürden für diejenigen Frauen, die den Tagessatz nicht selbst bezahlen können, wie mir die Leiterin des Frauenhauses berichtete. Und das sind die allermeisten. Die Frauen müssen dann den zwölf Seiten dicken »Antrag auf Eingliederungshilfe für Arbeitssuchende« ausfüllen, um Hartz IV zu erhalten. Auch sonst steht am Anfang jede Menge Behördenrennerei auf dem Programm. Zu Zeiten der Sozialhilfe war das alles noch viel einfacher. Dazu kommt, dass Hartz IV viele Frauen ausschließt, so Studentinnen, Auszubildende und Ausländerinnen. Letztere hätten manchmal auch keinen Krankenversicherungsschutz. Dies wird insbesondere dann problematisch, wenn die Frauen schwanger seien - dann beginnt die Suche nach einem Krankenhaus, das bereit ist, der Frau zu helfen. Für all dies geht sehr viel Zeit drauf, Zeit die man eigentlich bräuchte, um mit den Frauen über Gewalt zu sprechen und ihnen psychische Hilfe zu leisten. Aber mit insgesamt nur vier Mitarbeiterinnen ist es kaum möglich, alles zu leisten.

Von Niema Movassat

linksfraktion.de, 19. August 2010

Zur Übersichtsseite der Reihe Sommer im Wahlkreis

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