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»Fracking zu erlauben ist unverantwortlich«

Nachricht von Hubertus Zdebel,

Von wegen „saubere Sache“: Die Liste der beim Fracking eingesetzten Chemikalien ist lang – sehr lang, wie die Expertinnen und Experten beim Fachgespräch zeigen.

 

Fracking ist eine Gefahr für Mensch und Natur. Darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachgesprächs der Linksfraktion im Bundestag am 3. Juni 2015 einig. Eingeladen hatte der Münsteraner Bundestagsabgeordnete und Obmann im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Hubertus Zdebel. Er erklärte: „DIE LINKE wirbt für ein Fracking-Verbot ohne Ausnahmen, während die Bundesregierung einen Gesetzestext vorgelegt hat, der entgegen den Behauptungen von Umweltministerin Hendricks und Wirtschaftsminister Gabriel in Wahrheit ein reines Pro-Fracking-Gesetz ist.“

Dies bekräftigten Thorben Gruhl von dem Aktionsbündnis „NoMoorFracking“ und Oliver Kalusch vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Sie stellten fest, dass der Gesetzentwurf der Regierungskoalition Fracking auf 75 Prozent der Fläche Deutschlands grundsätzlich ermöglichen würde. Ohne Einschränkungen und in jeder Tiefe würde die Gasförderung im Sandgestein erlaubt. Dabei sei ein systematisches Umweltmonitoring der bisher durchgeführten Fracking-Vorhaben noch nicht durchgeführt worden. Tiefer als 3.000 Meter sei ohnehin jegliches Fracking durch das Gesetz erlaubt. Oberhalb dieser willkürlich festgelegten 3000-Meter-Grenze stehe Fracking im Schiefergestein oder in Kohleflözen unter Vorbehalt einer sechsköpfigen Expertenkommission, die nicht demokratisch legitimiert sei, da keine Vertreter aus Umweltverbänden oder der Zivilgesellschaft vorgesehen seien, und in ihr vier Mitglieder von Institutionen vertreten seien, die als Fracking-freundlich gelten, sodass eine Zustimmung dieser Kommission als sicher erachtet werden könne.

Dass von einem Fracking-Verbot keine Rede sein kann, aber ein solches Verbot aus umweltpolitischen Gründen dringend notwendig ist, verdeutlichte Claudia Baitinger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in ihrem Vortrag. Sie erläuterte, dass Fracking das Grund- und Trinkwasser durch Chemikalien sowie aufsteigendes Methan und Lagerstättenwasser verunreinigen würde. Fracking und die Verpressung von Lagerstättenwasser erhöhen zudem signifikant die Erdbebenhäufigkeiten in Fracking-Regionen. Ungeklärt sei weiterhin die Entsorgung des mit radioaktiven Isotopen, Quecksilber und Benzol belasteten Flowbacks, der gefährlichen Mischung aus Lagerstättenwasser und Frac-Flüssigkeiten. Bei der Verbrennung von unkonventionellem Erdgas entstehe klimaschädliches CO2 und zudem trete bei der Förderung das noch stärkere Treibhausgas Methan aus.

Kathrin Otte von dem Gemeinnützigen Netzwerk für Umweltkranke (GENUK e.V.) beschrieb in ihrem Statement die gesundheitlichen Risiken, die beim Fracking für die Menschen entstehen können. Sie bekräftigte, dass die Schadstoffe, die von der Öl- und Gasindustrie emittiert würden, durch Luftübertragung zu Schäden des Hormon-, Nerven sowie des Immunsystems führen könnten. Sollte das Fracking-Erlaubnis-Gesetz der Bundesregierung in Kraft treten, wären die Menschen in Fracking-nahen Gebieten von gesundheitlichen Schäden wie z.B. Atemwegserkrankungen, neurologische Störungen, Kindersterblichkeit oder Krebs bedroht.

Hubertus Zdebel zog zum Abschluss das Fazit: „Angesichts dieser Risiken wäre es unverantwortlich, Fracking selbst unter Einsatz ungefährlicher Frac-Flüssigkeiten und unter verschärften Auflagen zu erlauben. Wie bei der Atomenergie ist zudem mit hohen Folgekosten zu rechnen, etwa für Erdbebenschäden, verseuchtes Grundwasser, zerstörte Ökosysteme und die Mondlandschaften durch Fracking-Bohrungen auf engem Raum. Außerdem ist die Klimabilanz von gefracktem Erdgas miserabel. Diese hohen Risiken, die von Fracking ausgehen, dürfen nicht für kurzfristige Gewinne der Gaskonzerne in Kauf genommen werden. Daher fordert DIE LINKE ein Fracking-Verbot ohne Ausnahmen. Wir wollen eine Energiepolitik, die den Weg für erneuerbare Energien ebnet.“

linksfraktion.de, 9. Juni 2015

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