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Fachkräftemangel: Mehr Arbeitslose als offene Stellen

Nachricht von Susanne Ferschl,

Die Bundesregierung begründet ihren Gesetzentwurf damit, dass die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr und die Zahl der offenen Stellen auf rund 1,2 Millionen angestiegen sei. Obwohl es nur in sieben von 144 Berufsgruppen und in zwei von 37 Berufshauptgruppen mehr offene Stellen als Arbeitslose gibt, inszeniert die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf zur Fachkräfteeinwanderung den Fachkräftemangel als zentrale Bedrohung für die deutsche Wirtschaft. Das geht aus der Antwort [PDF] der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage [Drs. Nr. 19/8119, PDF] von Susanne Ferschl hervor.

Gleichzeitig ist in Berufen, in denen die Bundesregierung Fachkräftemangel konstatiert, die Zahl der Eintritte von Teilnehmenden in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) gesunken und im Vergleich zur Zahl der Arbeitslosen verschwindend gering. Auch die betriebliche Weiterbildung stagniert bzw. ist die Teilnehmerquote sogar gesunken, was Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Arbeitgeber weckt, die ebenfalls vor Fachkräftemangel warnen und über mangelnde Qualifikation von Bewerbern klagen. Auffallend hoch ist hier der Anteil in der Bevölkerung ohne anerkannte Berufsausbildung. Auch spielen Arbeitsbedingungen und Löhne eine wichtige Rolle bei der Personalsuche. Schon jetzt sind ausländische Beschäftigte deutlich stärker von Befristungen und Leiharbeit betroffen, als deutsche.

Dabei sind Löhne und Arbeitsbedingungen entscheidende Ursachen dafür, dass Stellen unbesetzt bleiben. Schon jetzt arbeiten viele Erwerbstätige aus dem Ausland nicht als Fachkraft, sondern als einfache Helfer, die besonders stark von prekären Beschäftigungsformen wie Befristungen und Leiharbeit betroffen sind.

"Die Bundesregierung dramatisiert wider besseren Wissens den Fachkräftemangel. Ihr Fachkräfteeinwanderungsgesetz steht auf tönernen Füßen. Sie gibt zu, dass die Ursachen der erfolglosen Personalsuche der Unternehmen häufig schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhnen sind. Schon heute sind Beschäftigte anderer Herkunft besonders stark von prekärer Arbeit betroffen. Ganz offensichtlich will die Bundesregierung an ihrem Geschäftsmodell ‚Dumpinglöhne‘ festhalten und den ohnehin schon immensen Druck auf Löhne und Arbeitsbedingungen weiter erhöhen. Deutschland braucht Zuwanderung. Konkurrenz und Unterbietung auf dem Arbeitsmarkt  brauchen wir nicht", kommentiert Susanne Ferschl die Antwort aus dem Arbeitsministerium und fordert die Bundesregierung auf, "die Rahmenbedingungen entsprechend zu justieren. Wir brauchen unbefristete Arbeit, Tarifverträge und einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro. Das schützt alle Beschäftigten".