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Eine Portion Selbstwertgefühl für lau

Nachricht von Gregor Gysi,

Dritter Tag der Gysi-Sommertour durch Mecklenburg-Vorpommern


LINKE-Plakate werben für Millionärsteuer, Mindestlohn und Gysi


"Würde ich hier Urlaub machen, ich würde mir keinen Politiker anhören." So begrüßte Gregor Gysi gestern bei strahlendem Sonnenschein vor der malerischen Seebrücke in Zinnowitz auf der Insel Usedom hunderte Besucherinnen und Besucher, die sich seine Rede anhören wollten. Gut, dass die Adressaten das denn auch anders sahen und blieben.

"Der traut sich wenigstens, die Wahrheit zu sagen", raunte ein Zuhörer seinem Nachbarn zu. Zinnowitz ist beliebtes Urlaubsziel für Familien. Und so waren besonders viele junge Eltern mit ihren Kindern im Publikum. "Früher waren Kinder ein Sicherheitsfaktor. Heute sind sie ein Risikofaktor", sagte Gysi. Natürlich sei es schwierig, bei befristeter und geringfügiger Beschäftigung, auf die insbesondere und immer mehr junge Menschen angewiesen sind, eine Familie gründen und Kinder in die Welt setzen zu wollen. Der Union versichere er immer wieder, dass es nicht daran läge, dass die Jungen das handwerklich verlernt hätten.

Aber auch das Schulsystem in Deutschland ist nicht kinderfreundlich. Die Schulen liegen in der Verantwortung der Bundesländer. "Wir brauchen aber keine sechzehn verschiedenen Schulsysteme aus dem 19. Jahrhundert, sondern ein einheitliches aus dem 21. Jahrhundert", so Gysi. Gerade von jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird Bereitschaft zur Mobilität erwartet. Es sei heute ganz normal, dass junge Eltern wegen des Jobs für ein paar Jahren in das eine und für ein paar weitere in ein anderes Bundesland zögen. Im Übrigen könnte man sich die vielen Dienstreisen derzeit nach Finnland sparen, wenn man sich damals das Bildungssystem der DDR weniger unvoreigenommener angesehen und vieles Gute davon übernommen hätte.

Als am Abend im völlig überfüllten Stadtteilzentrum Schönwalde in Greifswald eine Podiumsdiskussion mit Gregor Gysi und der lokalen LINKE-Direktkandidatin Kerstin Kassner begann, lag ein wenig dicke Luft im Raum. Ein paar junge Männer in schwarzen T-Shirts und mit grimmen Minen postierten sich entlang einer Wand. Sie waren den einheimischen Greifswalderinnen und Greifswaldern aus der rechten Szene bekannt. An die anwesenden Rechtsextremen adressierte Gregor Gysi: "Ich bin grundsätzlich gegen Parteiverbote - mit einer Ausnahme: Die NPD ist keine andere Meinung, sondern ein Verbrechen."

Gysi sprach die jungen Rechten an. Sie würden es sich zu einfach machen. Denn nach ihrem Verständnis seien sie ja von Natur aus besser als Menschen anderer Herkunft. Selbstwertgefühl gratis also. Das sei billig, bedauerlich und gleichermaßen inakzeptabel. Irgendwann zog der Trupp wortlos ab. Ob die Jungs etwas verstanden haben von dem, was Gysi sagte?

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