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Ein "Krieg der Kulturen" ist ein Ergebnis des Krieges gegen den Terror

Nachricht von Wolfgang Gehrcke,

MdB Wolfgang Gehrcke, Sprecher für Internationale Beziehungen der Fraktion DIE LINKE., zum Karikaturen-Streit:

Die Veröffentlichung der "Mohammed-Karikaturen" hat zu heftigen Reaktionen in verschiedenen Ländern der islamischen Welt - insbesondere Pakistan - einerseits und zu demonstrativer Solidarisierung in europäischen Medien andererseits geführt. Werte der Aufklärung, Freiheit der Presse und der Kunst, die freie Meinungsäußerung und die Unverletzbarkeit der Personen, scheinen mit den religiösen Gefühlen von Menschen mit islamischem Glauben in einen emotionalen Konflikt zu geraten. Aber: die umstrittenen Karikaturen sind - das ist nicht abzuleugnen - ebenfalls Ausdruck des "Krieges der Kulturen". Auch Kunst und Kultur können von ihren humanistischen Grundlagen gelöst und zur Propaganda werden.

Was vor dem Irak-Krieg als Menetekel in der Literatur bedeutsam war, ein möglicher Krieg der Kulturen, wird immer bedrohlicher politische Realität. Die Kriegseinsätze und die Besetzungen des Irak und Afghanistans, das Ausbleiben von Verbesserungen der Lage in Palästina haben diesen Konflikt weiter verschärft. Der ganze Nahe und Mittlere Osten ist ein Pulverfass. Eine Deeskalation der Konflikte ist also die Tagesaufgabe.

Terraingewinne von Extremen sind unübersehbar:


  1. nicht nur islamischer Fundamentalismus, auch christlicher Fundamentalismus greift um sich; in den USA, in Afrika, Asien wie Europa

  2. Präsidenten und Regierungschefs führen ihr Amt und ihr Regierungshandeln auf göttliche Vorsehung zurück (in zahlreichen Reden des US-Präsidenten Bush ist dies nachvollziehbar);

  3. Auch die immer wieder von der CDU angestoßene Debatte um eine "deutsche Leitkultur" oder der Muslim-Test sind einem Krieg bzw. Kampf der Kulturen zuzuordnen.



Fundamentalismus schränkt besonders Frauenrechte, wie die Verfügung über den eigenen Körper, ein.

Die Linke muss sich Extremen widersetzen und Vernunft zu ihrem politischen Leitmotiv machen. Das schließt die Ablehnung von Kriegseinsätzen ebenso ein wie Dialogfähigkeit und die Akzeptanz einer Vielfalt der Kulturen.

Wer im Nahen Osten einen Flächenbrand vermeiden will, muss verhandeln - mit allen Seiten. Verhandlungen brauchen Vertrauen und Sensibilität. Um Vertrauen herzustellen ist die kulturelle Vielfalt unverzichtbar. Die Widersprüche, die aus einem Wertekonflikt resultieren, müssen in den Gesellschaften ausgehalten und verarbeitet werden. Dialog, nicht Krieg der Kulturen, Überwindung von Ursachen des Terrorismus und nicht "Krieg gegen den Terror" - das ist der Weg der Aufklärung. Diesen Weg zu verlassen, macht eine Gesellschaft dem immer ähnlicher, was vorgeblich bekämpft werden soll. Noch ist eine Umkehr möglich. Aber es ist fünf vor Zwölf!

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