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Ebola-Epidemie stoppen!

Kolumne von Niema Movassat,

Ebola-Epidemie: Quarantäne in Sierra Leone                               Bild: © EC/ECHO/Cyprien Fabre

 

Von Niema Movassat, Sprecher für Welternährung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
 

 

 

Die Ebola-Epidemie in Westafrika mit bisher über 1000 Todesopfern und rund 2000 Infizierten ist der bisher schlimmste Ausbruch der Viruserkrankung. Am Freitag erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sie zum internationalen Gesundheitsnotfall. Sierra Leone, Nigeria und Liberia haben den Notstand ausgerufen.

Zu wenig Ärzte, zu wenig Krankenschwestern

Die Bundesregierung hat bisher mit 500 000 Euro die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Das Entwicklungsministerium hat eine Millionen Euro Soforthilfe an die WHO zugesagt. Beide Organisationen sind die Hauptakteure im Kampf gegen Ebola, der den Helferinnen und Helfern alles abverlangt: Unter Einsatz ihres eigenen Lebens arbeiten sie unter schwierigsten Bedingungen. Zahlreiche HelferInnen haben sich während ihres Einsatzes infiziert und sind gestorben. Ebola ist hochansteckend, das Tragen von Schutzanzügen und Durchsetzen von Isolationsmaßnahmen in abgelegenen Regionen und großer Hitze umfassend zu gewährleisten, ist eine große Herausforderung. Es gibt zu wenig Ärzte und Krankenschwestern, die darauf spezialisiert sind, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Hinzukommt, dass bei Fällen von Ebola konsequent nachgeforscht werden müsste, wer Kontakt zu der erkrankten Person hatte. Dafür müssten Teams in jedes einzelne betroffene Dorf entsendet werden – was alleine aufgrund der zahlreichen Fälle nicht zu leisten ist.

Viele wissen nicht, was eine Viruserkrankung ist

Vielerorts fehlt es an rudimentärer Aufklärung. Für die örtliche Bevölkerung kommen mit den ersten Toten häufig die Ärzteteams – in Schutzanzügen, mit mobilen Isolationsstationen. Viele Menschen vor Ort wissen nicht, was eine Viruserkrankung ist. Kranke werden traditionell inmitten der Familie gepflegt. Nun verschwinden sie in Isolationsbehandlung und die Angehörigen sehen sie nicht lebend wieder. Da der Kontakt mit Toten Ebola-Infizierten ein großes Infektionsrisiko birgt, dürfen sie sie nicht selbst beerdigen. Aus Angst und Misstrauen verstecken sich Kranke zunehmend, wenn sie die ersten Fiebersymptome bekommen und verstärken so das Ansteckungsrisiko.

Auch im Falle des Ebola-Virus hat die Pharmaindustrie in der Vergangenheit viel zu wenig in die Forschung investiert. Klinische Testreihen an Menschen mit an Primaten hochwirksamen Wirkstoffen – wie etwa ZMapp – haben bisher nicht stattgefunden, auch weil sie große Kosten verursachen. Die Entwicklung von anderen Medikamenten für die zahlungskräftige Kundschaft in den Industriestaaten garantiert größere Gewinne für die Pharmakonzerne, als ein Impfstoff gegen eine in afrikanischen Ländern tötende Viruskrankheit. Das gängige System von Forschungsanreizen und Marktorientierung versagt bei den Krankheiten "der Armen". Das ist die tödliche Logik, wenn Gesundheit zur Ware verkommt.

Menschenleben geht vor Profitstreben

Die Stärkung der öffentlichen Forschung und Förderung von Produktentwicklungspartnerschaften für vernachlässigte Krankheiten muss die Bundesregierung deshalb dringend intensivieren. Auch müssen Pharmaunternehmen gezwungen werden, die Ergebnisse ihrer Forschungen in öffentliche Patentpools zu geben, wenn es um die Rettung von Menschenleben geht. Das Profitstreben der Konzerne muss in solchen Fällen hinten anstehen.

All das ist für die derzeitige Ebola-Epidemie natürlich keine Lösung, kann aber helfen, in Zukunft besser vorbereitet zu sein. Das Gebot der Stunde ist eine stärkere Unterstützung der WHO. Deutschland verfügt außerdem über sehr gute Spezialkliniken, in denen Infizierte behandelt werden können. Die Angst, dass sich das Virus dadurch auch hier ausbreiten könnte, ist nach Ansicht von ExpertInnen aufgrund der hiesigen hygienischen Bedingungen und Vorsichtsmaßnahmen unbegründet. Unterstützende Maßnahmen bei Ausbildung und Training von KrankenpflegerInnen und Ärzten im richtigen Umgang mit Ebola-Infizierten wäre ein weiterer wichtiger Beitrag, den die Bundesregierung sofort leisten sollte. Vielleicht ergibt sich aus den erfolgversprechenden Meldungen um das Mittel ZMapp eine neue Möglichkeit zur Eindämmung des Virus. Sollten sich bestätigen, dass es zuverlässig Menschenleben retten kann, muss es trotz fehlender klinischer Studien schnellstmöglich zum Einsatz kommen. Ohne den Einsatz neuer Wirkstoffe verläuft Ebola bei 60-70 Prozent der Infizierten tödlich. Es ist das Gebot der Stunde, eine weitere Ausbreitung des Ebola-Virus mit allen Mitteln zu verhindern.


linksfraktion.de, 12. August 2014

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