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Die Linke trauert um Samir Amin

Im Wortlaut von Heike Hänsel,

Nachruf von Heike Hänsel:

Samir Amin, der große marxistische Denker und Ökonom, der sein Leben der Überwindung von neokolonialen Strukturen und der Diktatur des Kapitalismus gewidmet hat, ist vergangenes Wochenende gestorben. Wir trauern um einen unermüdlichen, streitbaren und kritisch-solidarischen Internationalisten, der auf allen Kontinenten zuhause war. Er wird uns schmerzlich fehlen.

Lange Jahre war der ägyptisch-französische Globalisierungskritiker Direktor des Third World Forum in Dakar. Grundlegende antikoloniale Entwicklungstheorien für den globalen Süden beschrieb er bereits in den 70er Jahren. Er nannte sich selbst einen „überzeugten Antiimperialisten“. Viele Jahre prägte er die Weltsozialforum-Bewegung. Zuletzt nahm er auf Einladung der Fraktion Die Linke an den Anti-G20-Protesten 2017 in Hamburg teil. Er hielt eine begeisternde Rede auf der Abschlusskundgebung der Großdemonstration. Sein Aufruf in Hamburg, der nun zu einer Art Vermächtnis geworden ist, galt der Gründung einer V. Internationalen der ArbeiterInnen und Ausgebeuteten als Antwort auf den globalisierten Kapitalismus.

Samir Amin beschrieb die neoliberale Globalisierung als eine „soziale Apartheid im Weltmaßstab“, die ein fortwährendes „Management des Planeten in militarisierter Form erfordert“ und so unter neuen Bedingungen die Polarisierung verewigt, die sich von der Expansion des „real existierenden Kapitalismus“ nicht trennen ließe. Die ökologische Frage war für ihn nur mit einer antikapitalistischen Politik zu beantworten.

Er kritisierte die sozialdemokratischen und etliche sozialistische Parteien in den Metropolen, die die Überwindung der Logik des Kapitalismus aufgegeben hätten. „Statt nach Auswegen aus dem Krisenkapitalismus als solchem zu suchen, glauben sie, sie könnten sich aus der Krise des Kapitalismus einfach hinausmogeln“, so Amin. Dies habe zu einem „Einparteiensystem des Monopolkapitals“ in Europa geführt, das nur durch neue linke Zusammenschlüsse durchbrochen werden könne.

Samir Amin nahm 2016 in Berlin gemeinsam mit Aminata Traoré und David Bacon an einer Veranstaltung unserer Fraktion und der Rosa-Luxemburg-Stiftung teil.

Sein Aufruf zur Gründung einer V. Internationale, ins Deutsche übersetzt von seinem Freund Mamdouh Habashi

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