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Die Gemeinschaftsschule ist die Schule der Zukunft

Im Wortlaut von Rosemarie Hein,

Von Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE

 

 

 

Es ist unglaublich, wie die Bundesregierung aus dem Feiern ihrer angeblich gelungenen Bildungspolitik gar nicht mehr  herauskommt, die Schuld an den ungelösten Problemen den Ländern zuweist und selbst viel Zeit mit Nichtstun verplempert. Ein Projektpflaster hier, ein bisschen Geld über Umwege dort – das ist keine ernsthafte Bildungspolitik für die Zukunft. Dabei wird übersehen, dass die Koalition die zahlreichen Anträge zur Wiedereinführung der Zusammenarbeit von Bund und der Ländern in der Bildung allesamt abgelehnt hat. Die hätten eine gemeinsame Finanzierung grundlegender Bildungsaufgaben möglich gemacht. Jeder erkennt heute die Notwendigkeit zum gemeinsamen Handeln, wenn man sich die zum Teil desolaten Rahmenbedingungen an den Schulen ansieht, wie fehlendes oder schlecht bezahltes Personal, Vertretungslehrer mit befristeten Arbeitsverträgen, fehlendes Lehr- und Lernmaterial, marode Bausubstanz oder auch fehlende Räumlichkeiten und so weiter. Aber die Bundesregierung sitzt diese Probleme aus.

Die größte Krux im Bildungssystem sind jedoch die Auswirkungen des gegliederten Schulsystems und der Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialen Status der Eltern. Die drei verschiedenen tradierten weiterführenden Schulformen Hauptschule, Realschule oder Gymnasium (wie auch die anderen weiterführenden Schulformen) sollten der vermeintlich begabungsgerechten „Beschulung“ aller Kinder dienen. Schulgeschichtlich sind diesen sogenannten Begabungstypen unterschiedliche Rollen in der Gesellschaft zugeordnet. Bis in die Gegenwart hinein werden darum unterschiedliche Bildungsziele und darauf aufbauende Bildungsinhalte für verschiedene Schulformen festgelegt. Und schaut man auf die soziale Lage, so kommen die vermeintlich unterschiedlichen Begabungstypen mehrheitlich aus jeweils unterschiedlichen sozialen Schichten – na welch ein Zufall. Ich frage mich, wieso Schülerinnen und Schüler, denen man nach der vierten (oder sechsten) Klasse den Weg zum Abitur nicht zugetraut hat, dies schaffen sollen, wenn sie bis zur zehnten Klasse in einer Schulform unterrichtet werden, die ein geringeres Anspruchsniveau hat. Und ich frage mich, warum Schülerinnen und Schüler, denen auch in der vierten Klasse bereits der Weg zum Abitur zugetraut wird, mit diesen anderen Kindern nicht gemeinsam weiter lernen können, wenn es denn darauf ankommt, in jeder Schule individuell zu fördern, wie es von allen Seiten gefordert wird? Ich finde keine befriedigende Antwort. Die SPD rühmt ihr Ganztagsschulkonzept als Ausweg. Das ist letztlich zu kurz gedacht. Eine Antwort auf die soziale Auswahl und die Überwindung veralteter Strukturen gibt es nicht. Wenn nicht endlich umgedacht wird in der Bildungspolitik, bleiben wir in einem Schulsystem stecken, das sich seit der Kaiserzeit nicht wirklich verändert und mit Bildungserfordernissen im 21. Jahrhundert nichts zu tun hat. Die Lösung raus aus diesem verworrenen, ungerechten, weil ausgrenzenden  Schulsystem liegt für uns klar auf der Hand: Die Gemeinschaftsschule als Regelschule ist die Zukunft. Sie ist per se eine Ganztagsschule und inklusiv obendrein – eben eine Schule für alle. Im Mittelpunkt ihrer modernen Lehr- und Lernkultur steht die individuelle Förderung. Sie kommt ohne Abschulen, Sitzenbleiben und feste Aufteilung in nach Leistung sortierten Gruppen aus. Schülerinnen und Schüler lernen von der ersten Klasse bis zum Abschluss gemeinsam ohne einen Schulwechsel. Sie bieten alle Schulabschlüsse an und sind für jedes Kind eine Perspektive.

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