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CO2 den Algen zum Fraß vorwerfen

Im Wortlaut von Dagmar Enkelmann,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Algen im Labor

Mitte Juli lernte ich während der Sommertour unserer Brandenburger Landesgruppe der Fraktion DIE LINKE eine besonders faszinierende Firma kennen - das IGV Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke bei Potsdam. Mit fast 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 30 laufenden Projekten ist es zweifellos eine der größeren und leistungsfähigen Forschungs-GmbH in Brandenburg.

Eine elegante Lösung hatten die Forscher gerade für ein Problem parat, das mich in meinem Wahlkreis in Ostbrandenburg besonders umtreibt: die geplante unterirdische Verpressung von CO2 durch den Vattenfall-Konzern. Das Treibhausgas lässt sich, so zeigten mir die Forscher, in Bioreaktoren durch Mikroalgen in Biomasse verwandeln - einen mehr und mehr begehrten Energie- und auch Chemierohstoff.

So wird im Jahr 2020, wie in einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von mir zu lesen ist, der Bedarf an Bioenergie um gut 30 Prozent über dem heimischen Angebot liegen. Diese Differenz müsste importiert werden. Das wäre ökologisch recht fragwürdig. Und das kann verhindert werden, wenn die Bundesrepublik endlich massiv in Forschungen, wie sie Institut für Getreideverarbeitung betrieben werden, investieren würde.

Denn obwohl die Mikroalgen-Technologie exportiert wird und jüngst sogar Passierjets mit dem auf dieser Grundlage erzeugten Biotreibstoff flogen, werden Forscher wie die Potsdamer recht stiefmütterlich gefördert. Für mich ist nicht einzusehen, warum die EU beispielsweise die CCS-Technologie zur CO2-Speicherung mit Millionen Euro unterstützt, mittelständische Unternehmen aber, die an zukunftsträchtigen Projekten arbeiten, keine Lobby in Brüssel oder bei der Bundesregierung haben.

Natürlich ist es utopisch, alle C02-Emissionen in Bioreaktoren »versenken« zu wollen. Für mich stellt aber auch CCS keinen Ausweg dar. An einem wirksamen Klimaschutz, der auf das Vermeiden von Emissionen, auf erneuerbare Energien und globale Einsparkonzepte setzt, gibt es deswegen keine Alternative. Einen Teil des CO2-Ausstoßes aber den Algen zum Fraß vorzuwerfen und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, wäre ein wirklich intelligentes Vorgehen.

Von Dagmar Enkelmann

linksfraktion.de, 17. August 2010

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