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Bundeswehr lockt Nachwuchs mit Abenteuercamps

Nachricht von Gesine Lötzsch,

 

Für den Nachwuchs ist der Bundeswehr nichts zu teuer und kein Mittel zu schäbig. Mit aggressiver Werbung betreibt sie Jugendmarketing - auch an Schulen. Mit Abenteuercamps sollen Schülerinnen und Schüler angelockt werden. "Das ist der Versuch die Bundeswehr als Abenteuerspielplatz zu verkaufen", kritisiert Gesine Lötzsch, Vorsitzende des Haushaltausschuses des Bundestags. "Es ist moralisch verwerflich, denn es geht nicht um Abenteuer, sondern um Krieg."

Durch engagierte Schüler des Lichtenberger Herder-Gymnasium wurde die Fraktion DIE LINKE auf ein Anschreiben der Abteilung Jugendmarketing der Bundeswehr aufmerksam gemacht. In dem Schreiben wird das Event Bw-Beachen beworben. Zielgruppe sind 16- und 17-Jährige Jugendliche. Als Hauptpreis sind insbesondere Auslandsreisen nach London und Spanien angesetzt.

Das Jugendmarketing der Bundeswehr entwickelt für ihre Werbung offenbar auch einen eigenen Jargon, der sich möglichst an Jugendsprache anlehnen soll. Denn wenn die Bundeswehr ihren Event "Beachen" nennt, steht das für Volleyball und Fußball am Strand (engl. beach), dazu gibt es Bars und einen DJ.

Verschwenderische Nachwuchswerbung

Das lässt sich die Bundeswehr etwas kosten. Wie eine Berichtsanforderung von Gesine Lötzsch zum Thema "Tätigkeit und Ausgaben des Jugendmarketings der Bundeswehr" ergeben hat, veranstaltete die Bundeswehr im Jahr 2014 bundesweit neun Events mit Ausgaben von insgesamt 559.000 Euro. Hinzu kommen die in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE aufgelisteten Ausgaben für den jeweiligen Werbeaufwand. So hat zum Beispiel das Bw-Olympix 2014 in Warendorf rund 270.000 Euro an Werbungskosten verschlungen. Dividiert man die Gesamtkosten von 490.000 Euro nur für diesen Event durch die Anzahl der Teilnehmer ergeben sich Pro-Kopf-Ausgaben von 612,50 Euro. Auch der Jugendpressekongress 2014 in Feldafing wurde für circa 180.000 Euro beworben (Gesamtkosten: 320.000 Euro).

Besonders teuer waren die zwei sogenannten "Adventure Camps" der Bundeswehr. Für insgesamt 60 Teilnehmer wurden insgesamt 394.000 Euro verausgabt. Allein die Werbungskosten belaufen sich auf insgesamt 341.000 Euro. Daraus ergeben sich rechnerisch Pro-Kopf-Ausgaben von 6.566,66 Euro pro Teilnehmer. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst betrug bundesweit im Jahr 2014 3.527,00 Euro. Hinzukommen die Kosten für Printprodukte Jugendmarketing 2014  in Höhe von 120.000 für Poster und Kalender sowie für treff.bundeswehr.de von 120.000 Euro.

Außerdem zeigen die Ergebnisse der Berichtsanforderung, dass die Abteilung Jugendmarketing  in der jetzigen Form seit dem Zeitraum Herbst 2013 bis Anfang 2014 existiert und durch eine Konzentration von Dienstposten entstanden ist. Die Dienstpostenstruktur besteht aus vier Arbeitnehmern der Entgeltgruppen 6, 12, 13 und 15. Hinzu kommen drei militärische Dienstposten der Besoldungsgruppe 7 bzw. 9. Die jährlichen Gesamtpersonalkosten belaufen sich auf 397.197,00 Euro.

Verkappte Rekrutierungsmaßnahmen

"Das sind verkappte und sehr teure Rekrutierungsmaßnahmen", sagt Gesine Lötzsch über das Jugendmarketing der Bundeswehr. Die Nachwuchswerbung werde immer verschwenderischer. "Schulen müssen ein militärfreier Raum sein", fordert sie. Bei den Beratungen zum Haushalt 2016 will sie beantragen, diese Mittel ersatzlos zu streichen.

linksfraktion.de, 29. Mai 2015

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