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Brutale Ausbeutung in Textilbranche stoppen

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Karatschi 2012: Angehörige trauern um die Opfer nach der Brandkatastrophe  Foto: picture alliance / dpa

 

Am 11. September jährt sich zum zweiten Mal der tragische Brand in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karatschi/Pakistan mit 254 Todesopfern und vielen Schwerverletzten. Der deutsche Textildiscounter KIK war der wichtigste Vertragspartner und bezog fast zwei Drittel der Produktion. Deutsche Unternehmen sind bei ihren Geschäftstätigkeiten im Ausland selbstverständlich mitverantwortlich für die Produktionsumstände vor Ort. Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtsgruppen, Gewerkschaften und viele politische Parteien kritisieren seit Jahren unter anderem die tödliche Gefahr, die durch mangelnde Fluchtwege und vergitterte Fenster für die ArbeiterInnen bestehen. Im Falle Ali Enterprises führten genau diese Umstände in die Katastrophe.

Obwohl KIK im Dezember 2012 mit dem Anwalt der Opfer eine vertragliche Vereinbarung unterzeichnet hat, die neben einer Soforthilfe in Höhe von einer Million US-Dollar auch eine langfristige finanzielle Entschädigung vorsieht, verweigert das Unternehmen heute jede weitere Zahlung. KIK ist der Meinung, bereits genug bezahlt zu haben: pro getöteten und schwerverletzten Menschen um die 3000 US-Dollar – bei einen Jahresumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro! Viele der Hinterbliebenen, die ihr Leben lang an den Folgen der Verletzungen leidenden Überlebenden und ihre Familien sind ohne solche Leistungen schutzlos Elend und Armut ausgesetzt. "KIK ist und bleibt eine Schweinebackenbude", empört sich Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag.

In einen offenen Brief hat der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat, die Unternehmensleitung aufgefordert, endlich auch eine langfristige Absicherung der Familien der Opfer und der Verletzten finanziell zu gewährleisten. Statt einer individuellen Antwort versendete KiK nur eine bereits veröffentliche Stellungnahme.

Verdi, der DGB, die IG-Metall, medico international, das ECCHR und die Kampagne für saubere Kleidung haben nun eine Kampagne zur Unterstützung der Menschen vor Ort gestartet, ohne dabei KiK aus der Verantwortung zu entlassen: Sollte sich das Unternehmen nicht endlich angemessen verhalten, drohen die Hinterbliebenen der Opfer mit einer Klage vor deutschen Gerichten. Und damit solche in Zukunft einfacher möglich sind, muss die Bundesregierung endlich aktiv werden! "Ich unterstütze die Forderung des DGB, Ver.di und der IG Metall", sagt Jutta Krellmann, "dass wir eine deutlich verschärfte Unternehmenshaftung für deutsche und europäische Betriebe benötigen, die in asiatischen Produktionsländern billig produzieren lassen. So etwas dürfen wir nicht länger akzeptieren." Es sei naiv von der Politik, auf die einsetzende Eigenverantwortung der Unternehmer zu warten.

Textilherstellung: Sklavenartige Arbeitsbedingungen und kein Ende in Sicht

Wenige Branchen beuten Beschäftige so brutal aus wie der Textilsektor. In Bangladesch und Pakistan liegen die Monatslöhne teilweise immer noch unter 40 Euro im Monat. Näherinnen müssen bis zu 16 Stunden am Tag schuften, Überstunden werden nicht bezahlt. Es gibt nur einen freien Tag die Woche, oft keine Arbeitsverträge, keine Krankenversicherung, wer sich gewerkschaftlich organisieren will, wird rausgeschmissen. Beschäftigte dürfen nur einmal pro Tag auf Toilette, werden geschlagen und sexuell belästigt, in der Fabrik eingeschlossen, in der es keine Notausgänge gibt. Die Fenster sind vergittert, das Gebäude ist einsturzgefährdet, die überall lagernden Stoffballen und –reste in der Luft stellen eine enorme Brandgefahr dar. Auch nach über zehnjähriger Debatte um die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken Asiens sind dies heute noch oft die täglichen Realitäten der Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter. Die Lobbyarbeit der Unternehmen hat bis heute verbindliche Regeln durch den deutschen Gesetzgeber erfolgreich verhindert.

"Es kann nicht sein, dass deutsche Unternehmen im Ausland weiterhin soziale, ökologische und menschenrechtliche Mindeststandards ignorieren", sagt Klaus Ernst, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. "Der Mensch ist für viele Unternehmen nur ein reiner Produktionsfaktor. Solange Unternehmen von skandalösen Arbeitsbedingungen profitieren, werden diese billigend in Kauf genommen. Das kann nicht einfach toleriert werden. Es ist an der Zeit, dass die Politik hier aktiv wird!"


Unternehmensverantwortung: Das muss sich ändern!

  • Verbindliche soziale, ökologische und menschenrechtliche Mindeststandards für deutsche Unternehmen im Ausland
  • Umfassende Transparenz- und Auskunftspflichten der Konzerne bei Geschäftstätigkeiten im Ausland in der gesamten Lieferkette
  • Beschwerdestellen in Deutschland, so dass ausländische Betroffene vor deutschen Gerichten klagen können
  • Schaffung eines Unternehmensstrafrechts, welches schmerzhafte finanzielle Sanktionsmöglichkeiten gegen Konzerne, die die schäbigen Umstände vor Ort willentlich in Kauf nehmen um ihre Profite zu maximieren, ermöglicht
  • Eine Gesetzreform, die Sammelklagen auch in Deutschland juristisch ermöglicht, damit Betroffene hier gebündelt und gemeinsam gegen Menschenrechtsverletzungen vorgehen können

 

linksfraktion.de, 10. September 2014

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