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Blockupy Karstadt

Nachricht,

Kapitalismuskriter_innen solidarisieren sich in Frankfurt/Main mit den Streikenden im Einzelhandel

Von Miriam Strunge, Mitarbeiterin von Sabine Zimmermann und Teilnehmende an den Protesten in Frankfurt

Auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil: Die Stuttgarter ver.di-Sekretärin Jana Seppelt hat das Mikro in der Hand. Sie spricht vor Hunderten Blockupy-Aktivist_innen über die Lage im Einzelhandel. Befristete Beschäftigung und Niedriglöhne gehören inzwischen bei vielen Verkäuferinnen und Verkäufern zum Arbeitsalltag. Jetzt setzen die Arbeitgeber noch einen drauf und kündigen die neben den Gehalts- auch die Manteltarifverträge. Das bedeutet einen Generalangriff auf die Arbeitsbedingungen und Löhne im Einzelhandel. Deshalb streiken die VerkäuferInnen bei Karstadt an diesem Freitag für den Erhalt der Tarifverträge. Durch Streikbrecher_innen versucht die Geschäftsleitung, den normalen Verkaufsbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Blockupy-Aktivist_innen solidarisieren sich mit den Streikenden. Sie machen Karstadt von außen dicht und unterstützen mit einer Sitzblockade vor dem Haupteingang den Streik für gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne.

Noch schlimmer als in Deutschland ist die Geschäftspraxis der großen Handelskonzerne in der Textilindustrie Asiens. Eine pakistanische Gewerkschaftlerin berichtet über die Zustände. Erst im April sind über 1000 Textilarbeiter_innen in Bangladesch durch den Einsturz des Fabrikdaches ums Leben gekommen. Auch die Billigmodekette Primarkt hat in dieser Fabrik Kleidung produziert. Die Gewerkschafterin fordert: Europäische Unternehmen, die unter diesen Bedingungen Kleidung produzieren lassen, müssen zur Verantwortung gezogen werden. Aus Angst vor möglichem Protest lässt Primmarkt schon um 12 Uhr die Rollläden runter und schließt den Laden. Die Demonstrant_innen von Blockupy versammeln sich mit Transparenten vor Primarkt und H&M, um zu zeigen, unter welchen menschenverachtenden Bedingungen unsere Billigkleidung hergestellt wird.

Einige Mitglieder von linksjugend [solid] laufen in eine weitere H&M-Filiale und rufen durch das ganze Gebäude: „Eure Mode ist so fesch wie der Tod in Bangladesch“. Nach und nach schließen die Geschäfte, weil sie nicht wissen, wie sie mit der Kritik der Demonstrant_innen und den Blockaden vor den Eingängen umgehen sollen. Passanten reagieren gemischt auf die Ereignisse auf der Einkaufsmeile. Einige sind verärgert, dass sie am Brückentag nicht einkaufen gehen können. Ein anderer Passant fasst treffend zusammen: „Manchmal muss die Freiheit des Kaufens eingeschränkt werden, um die Freiheit des Denkens zu ermöglichen.“

linksfraktion.de, 3. Juni 2013