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Bewegungsmobil auf Pilgerwegen

Im Wortlaut von Kathrin Vogler,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Buchstäblich bewegend: Ballspiele mit Kathrin Vogler vor der Wallfahrtskirche in Werl

 

Zufall oder Fügung? Mit meiner Sommertour zur Gesundheitskampagne lande ich nach Kevelaer am Niederrhein mit dem Bewegungsmobil schon wieder in einem Wallfahrtsort. Werl im Kreis Soest ist der größte Marienwallfahrtsort im Bistum Paderborn, und wir stellen unseren roten Wohnwagen direkt vor der Wallfahrtskirche ab. Als wir ankommen, stehen schon ein halbes Dutzend Genossinnen und Genossen bereit, um zu helfen. Mit so vielen Händen sind der Stand und das Material schnell aufgebaut.

 

Die Stimmung ist offener als in Kevelaer. Wir schwärmen aus, mit Flugis bestückt und gehen auf die bummelnden Menschen in der Fußgängerzone zu: Gesundheitspolitik ist für Viele ein Aufreger. Kinder und Jugendliche kommen neugierig auf uns zu. Wer ein Bonbon oder einen Luftballon möchte, muss sich zuerst bewegen: Seilchen, Ball, Federballschläger, Reifen und Balanciergeräte werden mit viel Spaß ausprobiert. Ein Junge, vielleicht vierzehn, fragt, wozu denn der Ball da ist. „Das ist mir noch nie passiert, dass ein Junge in deinem Alter nicht weiß, wozu Bälle gut sind“, antworte ich – und schon zeigt er uns Kickertricks vom Feinsten: „Ich spiele in Dortmund“. Habe ich da den künftigen Ballack getroffen?

 

Während die Kinder spielen, sprechen wir mit den Eltern. Nicht nur über Gesundheitspolitik, sondern auch über lokale Probleme. Matthias aus Werl hat ein Flugblatt verfasst, das die Vorteile gemeinsamen Lernens und einer Schule für alle erklärt. Bärbel macht hunderte Fotos für die OV-Website und wir fachsimpeln ein bisschen über digitale Fotos und Bildbearbeitung. 

 

Nach drei Stunden geht es weiter: Wickede (Ruhr) ist unsere nächste Station, nur sechs Kilometer entfernt. DIE LINKE im Kreis Soest hat in den Bürgersaal eingeladen, zu einer Veranstaltung über Gesundheitspolitik. „Gesundheit ist keine Ware“ ist das Motto meines Referates. Ich schildere die Entwicklungen der letzten Jahre, die Privatisierung, Wettbewerb, Entsolidarisierung und Ökonomisierung zu den herrschenden Ordnungsprinzipien der Gesundheitspolitik gemacht haben und erläutere die schwarz-gelben Pläne zur Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung, die diesen Trend verschärft fortsetzt. Gesundheit soll von einem öffentlichen Gut immer mehr zur Ware gemacht werden. Dagegen wirkt die solidarische Bürgerinnen- und Bürgerversicherung der LINKEN.

 

Viele engagierte Beiträge und Fragen kommen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Versammlung: Ob wir die Pharmaindustrie verstaatlichen müssen? Warum Ärzte so viel verdienen? Was wir dagegen tun, dass alte Menschen oft viel zu viele verschiedene Pillen schlucken?

 

Wieder merke ich: Gesundheitspolitik ist ein echtes Aufreger-Thema, mit dem sich viele Menschen kritisch auseinandersetzen. Nach eineinhalb Stunden ist die Veranstaltung beendet, aber noch nicht die Diskussion. Wir haben zwei Interessentinnen aus Wickede, die jetzt Mitglieder der LINKEN werden wollen und sich informieren, wie und wann sich die Partei trifft. Bis zum Auto kommen noch Genossinnen und Genossen mit Anregungen und Ideen, Fragen und Wünschen an die Arbeit der Bundestagsabgeordneten hinter uns her: Wir waren sicher nicht zum letzten Mal im Kreis Soest.

 

Von Kathrin Vogler

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