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Bergpredigt und Sozialismus vereint

Im Wortlaut von Bodo Ramelow,

Bodo Ramelow ist der Kirchenmann der Linksfraktion. Geht das zusammen?

Von Matthias Meisner

Berlin - „Christ und Sozialist“ ist ein Kapitel seines Internetauftritts überschrieben. Bodo Ramelow, PDS-Politiker und Protestant, nimmt darin Stellung zu seiner Doppelrolle. „Geht das überhaupt zusammen?“ fragt er. Seine Antwort: „Das Bekenntnis zur Bergpredigt und zum demokratischen Sozialismus sind für mich kein Widerspruch, sie vereinen sich in meinem Glauben.“ Für die Linksfraktion im Bundestag schien es konsequent, ihren Vizechef mit einem weiteren Amt zu betrauen, dem des religionspolitischen Sprechers. Jetzt wirbt der 50-Jährige dafür, dass alle diesen Posten selbstverständlich finden, und zwar sowohl innerhalb wie außerhalb seiner Partei.

So weit ist es noch nicht, selbst wenn Ramelow betont, es sei „erstaunlich, wie normal im Bundestag mit meiner Rolle umgegangen wird“. Wohlwollend spricht der Abgeordnete über die Zusammenarbeit mit den kirchenpolitischen Sprechern der anderen Fraktionen. Gemeinsam haben sie eine Veranstaltung zum Thema Patientenverfügung organisiert, sich zusammen zu Wort gemeldet zum Islamgipfel, um das Thema nicht den Innenpolitikern zu überlassen. Dass die PDS und die Kirchen ein „besonderes Verhältnis“ haben, bestreitet Ramelow nicht, im Vergleich zu anderen Parteien seien die Beziehungen „komplizierter“.

Regelmäßig wird Ramelow, aus einer rheinhessischen Familie stammend, daran erinnert, dass die SED den Kirchen in der DDR das Leben schwer machte. Er selbst war 1978, aufgrund frustrierender Erfahrungen mit Pfarrern, aus der Kirche ausgetreten. 2000, inzwischen in Thüringen, trat er wieder ein - nach positiven Erfahrungen wiederum mit Geistlichen. Ramelow erwähnt die Gottesdienste gegen die Schließung des Kali-Bergwerkes in Bischofferode, Begegnungen mit Altprobst Heino Falcke. „Nicht so fett und saturiert“ seien die Kirchenleute im Osten, stellt Ramelow fest. Als EKD-Ratschef Wolfgang Huber der PDS attestierte, sie habe „kein Verständnis für Religion und freie Religionsausübung“, wiesen das ostdeutsche Bischöfe als „typische West-Haltung“ zurück.

In der 53-köpfigen Linksfraktion bekennen sich nur wenige Abgeordnete öffentlich zu ihrem Glauben. Der ehemalige Klosterschüler Oskar Lafontaine ist ebenso wenig dabei wie Parlamentsgeschäftsführer Ulrich Maurer, der gleichfalls Katholik ist. Von den Kirchen geprägt wiederum ist ein Viertel der Fraktion, schätzt Ramelow. Das muss genügen, um Feindbilder abzubauen - und, wie der PDS-Mann vorgibt, „zusammen die Welt zum Besseren zu verändern“.

Seit Ramelow Chefplaner der Vereinigung von PDS und WASG ist, hat er nach eigenen Worten „nicht mal Zeit, in Ruhe in einen Gottesdienst zu gehen“. Immerhin hat er Träume - zum Beispiel den, mal den Jakobsweg nach Santiago de Compostela entlangzupilgern. Der führt vorbei am Augustinerkloster in Erfurt, dort also, wo die Pröpstin Elfriede Begrich vor einem Jahr beim Neujahrsempfang der Thüringer PDS über die „ursprungsalte Affinität von Kommunismus und Christentum“ gesprochen hatte. Kirchenintern bekam die Pröpstin Prügel. Ramelow indes hat die Provokation gut gefallen.

Der Tagesspiegel, 28. Dezember 2006

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