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Beim Essen hört der Spaß auf

Kolumne von Karin Binder,

 

 

Von Karin Binder, ernährungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

 

Anfang Februar findet in Berlin die „Modellbahnbörse“ statt, im März die „Velo Berlin“ und im Sommer die „Tattoo Convention“. Zahlreiche Menschen strömen jährlich in Deutschlands Messehallen, um sich über Trends und Entwicklungen zu allerlei Themen zu informieren. Seit Ende letzter Woche läuft in Berlin die „Internationale Grüne Woche“, die „weltgrößte Leistungsschau für Ernährung und Landwirtschaft“, wie gern betont wird.

Für die Regierungskoalition ist das Anlass genug im Bundestag einen Antrag zu behandeln, der für die Messe wirbt. Weitgehend kritik- und inhaltsfrei wird dabei eine Branche gelobt, die sich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern Zusehens unbeliebt macht. Der Lebensmittel-Industrie ist fast jedes Mittel recht, um die Kundinnen und Kunden an der Nase herum zu führen, Arbeitnehmerregeln zu unterlaufen oder das örtliche Lebensmittelhandwerk auszubooten.
Das spiegelt sich in zahlreichen Skandalen mit Gammelfleisch, Kunstkäse, Dioxineiern und Pferdelasagne wider. Allein die Lebensmittel-Konzerne ficht das nicht an. Denn essen müssen wir alle, und wo die kleinen Läden den Kampf gegen marktmächtige Handelsriesen bereits verloren haben, bleibt nur der Gang zum Discounter.

Doch beim Essen hört der Spaß auf. Statt die Grüne Woche schön zu reden, sollten sich CDU, CSU und SPD auf die Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher zu schlagen. Denn Irreführungen bei Lebensmitteln haben oft Auswirkungen auf die Gesundheit. Schließlich machen die Großen Hersteller den Profit meist mit zu viel Zucker, Fett und Salz.

Es ist also Zeit, in Sachen Ernährung die richtigen Fragen zu klären: Warum erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher noch immer nicht die nötigen Informationen? Warum steht noch immer nicht auf der Verpackung drauf, was wirklich drin ist? Und wieso lassen wir immer noch die süße und fettige Werbe-Beeinflussung unserer Kinder zu?

DIE LINKE gibt darauf klare Antworten. Informationen zu Lebensmitteln müssen so zur Verfügung stehen, wie sie die Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen. Das umfasst auch Auskünfte über die sozialen und ökologischen Herstellungsbedingungen. Sie müssen sich unmissverständlich von Werbung abgrenzen. Auch willkürliche Angaben der Hersteller dürfen nicht von echten Verbraucherinformationen ablenken.

Ein schlimmes Beispiel ist die „GDA“-Kennzeichnung, die auf der Vorderseite vieler Produkte zu finden ist. Sie wurde von der Lebensmittelindustrie erfunden, um hohe Fett-, Zucker- oder Salzgehalte kleinzurechnen. Grundlage ist eine frei erfundene „empfohlene Tageszufuhr“, berechnet für eine Miniportion. Die gern verwendeten Dickmacher schrumpfen so wie von Zauberhand.

Wir sagen: statt der irreführenden GDA-Kennzeichnung gehört endlich die Nährwert-Ampel auf die Vorderseite der Verpackungen. Dabei werden Fett-, Zucker- und Salzgehalte nach ihrer Menge in Ampelfarben angezeigt. Mit Grün, Gelb oder Rot können Kundinnen und Kunden auf einem Blick die Zusammensetzung der Lebensmittel erkennen und Dickmacher entlarven.
Das ist gerade bei Kinder-Lebensmitteln wichtig. Auf sie hat es vor allem die Süßwarenindustrie abgesehen. Beworben wird, wovon die Kleinen ohnehin zu viel essen. Um sich der Kritik zu entziehen, beeinflusst Werbung heute zunehmend Eltern und andere Ernährungsvorbilder, wie Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer. Die Wirkung ist die gleiche. Deshalb muss Werbung, die sich an Kinder richtet, so weit wie es geht verboten werden, und Eltern benötigen unverfälschte Informationen. Für eine gesunde Ernährung brauchen wir also echten Verbraucherschutz statt Mogelpackungen. Mit unserem Antrag „Gute Lebensmittel für eine gesunde Ernährung“ (Bundestagsdrucksache 18/3730) zeigen wir, wie das geht.

Schon im Februar findet übriges die Messe „Biofach“ statt, die „Weltleitmesse“ für nachhaltig und regional erzeugte Lebensmittel. Auf den dazugehörigen wegweisenden Antrag von Union und SPD bin ich gespannt.