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Arzneimittel als öffentliches Interesse – kurze und lange Wege aus der Kommerzfalle

Nachricht von Kathrin Vogler,

Florian Schulze berichtet über das öffentliche Fachgespräch der Linksfraktion am 4. Juli in Berlin

 

Arzneimittel sind unverzichtbarer Bestandteil der modernen Medizin. Doch bekommen wir aus der kommerziellen Forschung die Arzneimittel, die wir für eine gute Versorgung brauchen? Gewährleisten die Zulassung und die Nutzenbewertung, dass neue Arzneimittel tatsächlich einen therapeutischen Fortschritt bringen? Was können wir gegen Phantasiepreise der Pharmaindustrie und für eine bessere Versorgung im globalen Süden tun? Und können oder müssen Arzneimittel und ihre Erforschung auch außerhalb der vorherrschenden Profitlogik gedacht werden?

Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, eröffnete die Veranstaltung mit der Frage, welche Maßnahmen sinnvoll und wirksam sein könnten, um in unserem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem allen Patientinnen und Patienten die richtigen und hochwertigen Arzneimittel zur Verfügung zu stellen. Gehen Arzneimittel, deren Forschung und Vermarktung sich vor allem an der kommerziellen Verwertungsmöglichkeit ausrichten, am Bedarf der Menschen vorbei?

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, stellte dar, dass zwar viele neue Krebsarzneimittel auf den Markt kommen, die vorliegenden Studien aber nicht ausreichen, um den therapeutischen Wert einzuschätzen. Diese Situation sei sehr bedenklich und auch vor dem Hintergrund der exorbitanten Preise nicht zu akzeptieren. Viele neue Arzneimittel würden keinen oder nur einen geringen Zusatznutzen aufwiesen - den Begriff Innovation dafür zu gebrauchen, wäre Unsinn.

Dr. Johanna Offe, Referentin für Grundsatzfragen bei der Hilfsorganisation Ärzte der Welt, legte am Beispiel der neuen Arzneimittel gegen Hepatitis C dar, wie hohe Medikamentenpreise langfristig die finanzielle Stabilität der Krankenkassen gefährden und auch in Europa erstmalig zu ökonomisch begründeten staatliche Beschränkungen in der medizinischen Behandlung führen.

Spring Gombe von der Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi) ging auf die Auswirkungen hoher Arzneimittelpreise und einer Forschung im Interesse reicher Staaten auf die Versorgung im globalen Süden ein. Sie stellte die Arbeit von DNDi vor, die nichtkommerziell Arzneimittel gegen armutsassoziierte Erkrankungen entwickeln und berichtete auch über weltweite Versuche, die Gewinnlogik bei Arzneimitteln weltweit zu durchbrechen.

Dr. Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharmakampagne entwarf ein Zukunftsmodell, wie eine öffentlich finanzierte Pharmaforschung dem öffentlichen Interesse aussehen könnte. Als Ausblick schlug er einen multistaatlichen Forschungsfonds vor, bei dem auf Exklusivrechte wie Patente verzichtet wird.

Silke Helfrich vom commons network hob hervor, was Gemeingüter bzw. Commons ausmachen und regte mit vielen Querverweisen auf Arzneimittel und Forschung zu einem grundsätzlichen Umdenken an.

Danach entspann sich eine rege Diskussion mit dem Publikum, die Spring Gombe auf den Punkt brachte: „Die Lösung ist, groß zu denken, klein zu entscheiden und weiter an einem gesellschaftlichen Konsens zu arbeiten, und letztlich mit allen zu teilen, was der große Gedanke dahinter eigentlich gewesen ist.“