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Arbeiten bis zum Umfallen

Nachricht von Sabine Zimmermann,

 

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wurden im Jahr 2015 816,2 Millionen bezahlte Überstunden geleistet, darüber hinaus sogar 997,1 Millionen unbezahlte. Legt man die durchschnittliche Jahresarbeitszeit je vollzeitbeschäftigtem/r Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer von 1656,5 Stunden zugrunde, entspricht die Gesamtzahl der geleisteten Überstunden (1.813,3 Millionen Stunden) 1.094.657 Vollzeitstellen.

In den Jahren seit 2013 hat die Zahl sowohl der bezahlten als auch der unbezahlten Überstunden wieder zugenommen. So wurden im Jahr 2013 794,5 Millionen bezahlte und 993,4 Millionen unbezahlte sowie im Jahr 2014 797,7 Millionen bezahlte und 982,1 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es bereits 253,7 Millionen unbezahlte Überstunden gegenüber 249,6 Millionen im Vorjahresquartal. Die Zahl der bezahlten Überstunden ist mit 185,4 Millionen gegenüber dem Vorjahresquartal (187,2 Millionen) leicht zurückgegangen.

Dazu erklärt Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag:

„Wenn Jahr für Jahr fast zwei Milliarden Überstunden geleistet werden, zeigt das deutlich, dass die Personaldecke grundsätzlich zu eng ist. Hier werden keine spontanen Produktionsspitzen ausgeglichen, sondern es fehlt dauerhaft an ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, um die Arbeit in der vereinbarten Zeit zu erledigen. Die Überstunden sind das Spiegelbild von Arbeitsverdichtung und zunehmendem Stress, die die Familien belasten und zu Krankheit und Burnout führen.“

Zimmermann weiter: „Dass die Mehrzahl der Überstunden nicht einmal entlohnt wird, ist ein Skandal für sich. Die Unternehmen organisieren sich so Leistung zum Nulltarif, und das geht gar nicht. Deutschland würde ein wahres Jobwunder erleben, wenn die Unternehmen, statt Überstunden zu verlangen, Stellen einrichten würden. Die LINKE fordert, es muss sichergestellt werden, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach harter Arbeit genügend Ruhezeiten haben, um sich zu regenerieren.“

linksfraktion.de, 13. Juli 2016