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Arbeit mutig re-organisieren

Im Wortlaut von Jutta Krellmann,

       Foto: Christian Heyse

 

Von Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

 

Wir haben es schwarz auf weiß: Die Deregulierungen am Arbeitsmarkt der letzten 20 Jahre haben nicht zur Verbesserung der Situation der Beschäftigten beigetragen. Im Gegenteil: Die arbeitsmarktpolitischen Reformen haben deutliche Spuren hinterlassen. Während atypische Beschäftigung deutlich angestiegen ist, verliert das Normalarbeitsverhältnis immer mehr an Boden. Leiharbeit, Werkvertragsarbeit, gezwungene Teilzeit, Dauerbefristungen, miese Entlohnung und zunehmender Stress. Mit dieser Entwicklung müssen wir brechen und Gute Arbeit mutig re-organisieren: Arbeit muss sicher sein, tariflich bezahlt und Mitgestaltung bieten.

Die Verteilung von Arbeitszeit und deren Entlohnung sind dabei zentrale Aspekte. Beschäftigte werden krank, weil sie zu viel arbeiten, während andere Menschen krank werden, weil sie keine Arbeit haben. Es wird höchste Zeit, die gesunde Mitte zu finden. Es muss darum gehen, wie Arbeitszeit verteilt wird, damit niemand hinten runter fällt. Fest steht, dass Arbeitszeit kürzer und selbstbestimmter sein muss, was angesichts der stetigen Produktivitätszuwächse mittlerweile auch eine Option ist.

Arbeitszeitverkürzung nur zusammen mit Lohnzuwächsen

Die Praxis von Lohndumping in Deutschland war und ist falsch, der Export dieser Strategie in die EU erst recht. Der Druck auf die Löhne in unserem Land war und ist daher vollkommen ungerechtfertigt, weil dadurch keine Normalarbeitsplätze entstanden. Dramatisch zugenommen hat stattdessen der Niedriglohnbereich im Zusammenhang mit atypischer Beschäftigung. Wenn wir diese Entwicklung umdrehen wollen, gibt es dafür nur einen Weg: Wir brauchen Gute Arbeit und gute Löhne für unsere Beschäftigten. Denn nur dadurch können wir langfristig auch neue Normalarbeitsplätze schaffen anstatt sie abzubauen und beheben damit den von der Arbeitgeberlobby so hartnäckig in einzelnen Branchen herbeigeredeten Fachkräftemangel.

Derzeit wird die Verteilung der Arbeitszeit einseitig von der Wirtschaftsseite bestimmt – und die arbeitet streng nach Tageskonjunktur, was atypische Beschäftigung wie etwa Leiharbeit befördert. Die daraus entstandenen chaotischen Zustände bei der Arbeitszeitverteilung wurden von der Politik in den letzten 20 Jahren auch fleißig in die Gesetzbücher geschrieben. Die Beschäftigten waren an diesen Prozessen nie wirklich beteiligt. Wenn wir jetzt anfangen, über die Zukunft von Arbeitszeitverteilung nachzudenken, dann müssen wir auch sicherstellen, dass sich alle an der Diskussion beteiligen können. Das muss in einer breiten gesellschaftlichen Debatte entwickelt werden, damit es am Ende auch Akzeptanz findet. Es geht um eine Demokratie von unten, um die Demokratisierung von Arbeit. Wenn wir die Souveränität der Beschäftigten ernst nehmen wollen, dann müssen sie auch über alle Fragen, die ihre Arbeit betreffen, mitentscheiden können und nicht nur darüber, wie etwas umgesetzt wird, was von oben kommt.

Das muss drin sein

Dazu braucht es klare Regeln, die entwickelt werden müssen, denn im Arbeitsleben gilt das Gleiche wie im Privatleben: es gibt einfach Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Und je mehr Menschen diese Regeln gemeinsam entwickeln, desto akzeptierter sind sie von allen Seiten. Verteilungsfragen bei der Arbeitszeit müssen auf Grundlage von verbesserten gesetzlichen Rahmenbedingungen mit den Gewerkschaften gemeinsam geführt und in Tarifverträgen festgehalten werden. Doch wir stehen hier erst am Anfang. Denn immer mehr Menschen teilen sich das gleichgebliebene Arbeitsvolumen zu immer schlechteren Bedingungen. Wir aber wollen, dass sie es sich zu besseren Arbeitsbedingungen teilen können. Das ist unser Auftrag: drehen wir den Spieß um!

 

linksfraktion.de, 22. April 2015

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